Nach industriellem Vorbild soll Kreditgeschäft effizienter werden: Banken setzen auf große Kreditfabriken

Nach industriellem Vorbild soll Kreditgeschäft effizienter werden
Banken setzen auf große Kreditfabriken

In den USA ähneln die Dienstleister für die Bearbeitung und Abwicklung von Krediten großen Industriefabriken. Deren Effizienz weckt den Neid vieler deutscher Banker. Doch der Aufbau hier zu Lande ist ein zäher Prozess. Eine Handvoll Anbieter kämpft um Anteile in einem wachsenden Markt.

nw FRANKFURT/M. Hinter dem Schlagwort "Kreditfabrik" steht der Traum einer supereffizienten, kostengünstigen Abwicklungsmaschine für Kredite - nach Vorbild der Industrie. Was sich als Blaupause gut anhört, ist schwieriger in die Realität umzusetzen als es auf den ersten Blick scheint. Viele Banker haben Angst, etwas vom "ureigenen Bankgeschäft" an Dritte preiszugeben. Zudem gibt es mitunter handfeste Probleme in der Datenverarbeitung, die Entlassungen überflüssig werdender Mitarbeiter droht zu einer Belastungsprobe für den Betriebsfrieden zu werden und die Umsatzsteuer macht eine Auslagerung der Abwicklung teuer.

Nur eine Handvoll Anbieter sind bislang in diesem Markt mit eigenständigem Auftritt aktiv - beispielsweise das genossenschaftliche VR Kreditwerk von Schwäbisch Hall und DG Hyp und die Eurohypo-Tochter Prompter.

Ein Anbieter, der sich mit konsequenter Industrialisierung der Gewinnschwelle nähert, ist die Tochter des Immobilienfinanzierers Aareal. Heute bearbeitet die Aareal Hypotheken-Management GmbH (AHM) rund 100 000 Verträge, weitere 80 000 bis 90 000 sollen in diesem Jahr hinzukommen. "In 2005 werden wir voraussichtlich die Gewinnschwelle überschreiten", sagt AHM-Manager Clarence E. Dixon. Neben der Mutter Aareal seien zurzeit sieben fremde Finanzhäuser Kunden der AHM, zwei sollen in diesem Jahr folgensem Jahr hinzukommen.

Der Anfang war hart. Versuche, eine Kreditfabrik in der Immobilienbank - die damals noch mit der Staatsfinanzierung im Depfa-Konzern zusammegeschlossen war - zu konzipieren, schlugen fehl. Viel Aufwand, aber die erhofften Kostensenkungen wurden nicht erreicht. Schließlich zog Karl-Heinz Glauner, im damaligen Depfa-Konzern verantwortlich für die Immobilienfinanzierung, einen dicken Strich: Raus aus der Bank, neue EDV von Grund auf, geführt von IT-Experten, nicht von Kreditanalysten - das war der Plan. Im Februar 1999 wurde die AHM gegründet. Die Mitarbeiterzahlen zeigen, dass Datenverarbeitung und Prozessmanagement Kern des Unternehmens sind: 41 arbeiten in der IT, nur 34 in der Kreditsachbearbeitung. Die großen US-Kreditkarten-Fabriken sind ein Vorbild der Aareal. Dixon selbst hat langjährige Erfahrungen beim Kreditkartenunternehmen Visa. Er schildert die Anfänge: "Wir sind mit einem kompletten Outsourcing-Angebot in die Banken gegangen", sagt Dixon. Aber drohenden Entlassungen in den Abwicklungsabteilungen der Banken waren ein großes Problem. "Dann bin ich gegangen. Aber ich bin wiedergekommen. Mit dem Angebot, die Mitarbeitern der Banken mit unserer EDV und unseren Prozessen arbeiten zu lassen." Die Kostenersparnisse sind geringer - "nur" bis zu 20 % statt bis zu 35 % beim Voll-Outsourcing -, aber der soziale Vorteil gleicht das offenbar aus. Im Schnitt bearbeitet ein Mitarbeiter in der herkömmlichen Kreditbearbeitung bis zu 250 Kreditanträge, die AHM liege heute bei 350 bis 400 und wolle 600 erreichen, sagt Dixon. Je schlanker die Prozesse, umso niedriger die Kosten. Daher wird die AHM das Scannen von Dokumenten sowie das Rechenzentrum an Dritte auslagern. Nur der Kern - IT-Entwicklung, die direkte Vertragsbearbeitung und das Call Center - steht nicht zu Disposition.

Neben der AHM behaupten sich weitere Kreditfabriken im Markt. Die größte ist das VR Kreditwerk der Genossenschaftsgruppe. Dort würden zurzeit rund elf Mill. Verträge bearbeitet, sagt ein Sprecher. Neben den Müttern DG Hyp und Schwäbisch Hall seien zehn Genossenschaftsbanken Kunden des Kreditwerks. Eine Bausparkasse werde sich bis zum Sommer entscheiden, ob sie die Bearbeitung an das 2 350 Mitarbeiter starke Kreditwerk auslagert. Die niederländische Stater bearbeitet europaweit über eine Million Verträge. Die Eurohypo-Tochter Prompter managt derzeit rund 21 000 Verträge für die Mutter, die Hypothekenbank in Essen und die Mannheimer Versicherung. Ein weiterer Kunde werde zurzeit an die Systeme angeschlossen, sagt eine Sprecherin. Die Gewinnschwelle werde die 73 Mitarbeiter beschäftigende Prompter Ende 2004 erreichen. "Outsourcing hat bei den Finanzinstituten derzeit einen extrem hohen Stellenwert", sagt Prompter-Vorstand Frank Schneider. "Im Gegensatz zu anderen Finanzinstituten bauen wir unser Personal stetig auf."

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