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Nach Insolvenz von Daewoo werden Massenpleiten erwartet

Die Bankrotterklärung des angeschlagenen Autoherstellers Daewoo Motor hat Südkorea zugleich die größte Firmenpleite in der Geschichte des Landes beschert. Während auf der einen Seite große Schwierigkeiten insbesondere auf die Zulieferindustrie zukommen, bewerteten auf der anderen Seite Analysten in Seoul die Entscheidung der Banken als wichtigen Schritt auf dem Weg der weiteren Restrukturierung koreanischer Unternehmen.

dpa SEOUL. Angesichts der gescheiterten Verhandlungen zwischen der Unternehmensleitung und der Gewerkschaft waren Daewoos Gläubiger jetzt nicht mehr bereit, weitere Finanzhilfen zu leisten. Daewoo wurde für zahlungsunfähig erklärt, nachdem es fällige Schulden nicht mehr bedienen konnte. Zugleich warteten die Banken vergeblich auf eine Zusage der Gewerkschaft zu geplanten Stellenstreichungen, die die Grundlage weiterer Sanierungsmaßnahmen sein sollten. Mit der Insolvenz des zweitgrößten Autoherstellers des Landes geht jedoch die Angst vor Arbeitsplatzverlusten bei Daewoo und Tausenden von Zulieferern einher, denen jetzt ebenfalls in einer möglichen Kettenreaktion die Pleite droht. Der Zusammenbruch des kleineren Autobauers Kia Motors 1997 führte schätzungsweise zu 10 000 Entlassungen.

Mit der Insolvenzerklärung Daewoos wurde zugleich der Weg für die Zwangsverwaltung des Unternehmens freigemacht. Nach Ansicht von Experten könnte dies eine bessere Kontrolle der Unternehmensführung und zu mehr Transparenz bei der Aufdeckung noch vermuteter verdeckter Schulden führen. Auf der anderen Seite könnte das Verfahren nach Angaben der Gläubiger die geplanten Übernahmeverhandlungen mit dem interessierten US-Autokonzern General Motors verzögern.

Nach der Veröffentlichung der Zahlungsprobleme der Daewoo-Gruppe im vergangenen Jahr hing das Überleben von deren Autosparte von den Milliarden-Finanzspritzen der heimischen Kreditwirtschaft ab. Auf Daewoo Motor, das einmal die Vorreiter-Rolle in der Globalisierungsstrategie des Konzerngründers Kim Woo Chong spielen sollte, lasten etwa 36 Mrd. DM Schulden. Seit der Gründung 1983 wurden Produktionskapazitäten im In- und Ausland von mehr als zwei Mill. Fahrzeugen aufgebaut.

Durch den geplatzten Verkauf Daewoos an Ford Motor im September hatten sich der Druck auf den Autobauer und dessen Gläubiger erhöht. Um die sich ausweitende Schuldenkrise bei Daewoo zu lösen, forderten deshalb die Gläubiger einschneidende Rationalisierungsschritte wie Entlassungen und einen Kapazitätsabbau. Zur Lösung seiner Liquiditätsengpässe hatte Daewoo nach dem gescheiterten Verhandlungen mit Ford zuvor neue Kreditlinien von etwa 900 Mill. DM verlangt.

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall von Daewoo Motor spiegelt zugleich den Expansionsdrang der koreanischen Industriekonglomerate oder "Chaebol" wider. Mit "politischen" Krediten wurden traditionelle Bereiche wie der Schiffbau und die Autobranche in den vergangenen Jahrzehnten zu Schlüsselindustrien aufgebaut, die dazu beitragen sollten, das Land im Eiltempo zu einer führenden Industrienation zu machen.

Spätestens mit der Asien-Krise 1997 und 1998 wurde das Konzept der Konzerne ("zu groß, um zu scheitern") jedoch in Frage gestellt. Galten die Chaebol lange Zeit als sakrosankt, so versuchte die jetzige Regierung unter Präsident Kim Dae Jung verstärkten Druck auf die Konzerne zur Restrukturierung auszuüben. Doch immer wieder verschleppte Reformen brachten Instabilität in den Finanzmärkten und wirtschaftliche Unsicherheit mit sich. Der Verkauf von Daewoo Motor wurde dabei als Test für die grundsätzliche Bereitschaft Südkoreas gesehen, einstige Aushängeschilder der koreanischen Industrie an ausländische Interessenten zu veräußern.

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