Nach Intel-Debakel: Droht jetzt ein Crash?
Wall Street: Nachbörslich notiert

Die Gründe, die im Donnerstagshandel zu dramatischen Verlusten bei Intel und anderen High-Tech-Aktien geführt hatten, waren zum großen Teil im Reich der Spekulation zu suchen. Nun ist Katzenjammer. Nicht minder schlecht wird es am Freitag den Chip-Zulieferern gehen.

NEW YORK. Was macht Intel, war die große Frage bis zur Schlussglocke, und mancher hatte während der letzten Stunden Joe Osha verwünscht, den Analysten von Merrill Lynch, der den Chip-Giganten noch am Morgen abgestuft und vor schlechten Nachrichten gewarnt hatte.

Nun sind die froh, die Osha noch rechtzeitig folgten - denn Intel hat gekürzt, und zwar drastisch. Umsatz, Gewinn, Margen? nichts deutet darauf hin, dass sich der Markt bald erholt. Die bisherige Umsatzprognose von 6,4 Mrd.$ bis 7 Mrd.$ schränkte das Intel-Management nicht nur ein, man verschob sie ganz nach unten, ins fiskalische Nirvana. Nur noch 6,2 Mrd.$ bis 6,5 Mrd.$ wird man wohl umsetzen. Bei deutlich geringeren Gewinnmargen als ursprünglich erwartet wird man wohl einen Gewinn von nur noch 15 Cent pro Aktie ausweisen, Analysten hatten mit bis zu 17 Cent kalkuliert. Dass Intel die Schwäche vor allem in Europa ausmacht, ist Anlegern kein Trost - die Aktie gab am Abend noch einmal 10% an Wert ab.

Nun ist Katzenjammer. "Ich bin überrascht, dass die Zahlen dermaßen schlecht sind", sagt Dan Scovel, Analyst bei Needham & Co und einer der Experten, die nun Oshas Weitsicht bewundern. Die Folge ist ihm klar: "Am Freitag brechen die Kurse richtig ein, da wird keiner mehr verschont." Begonnen hat dieser Trend unterdessen bereits. Mit Intel brachen auch die Konkurrenten Applied Micro Devices, PMC Sierra, Brocade, Broadcom und Applied Micro um jeweils rund 6% ein. Die Aktien von EMC und Texas Instruments riss es nach den Verlusten des Donnerstaghandels noch einmal um weitere 10% in die Tiefe, obwohl beide ihre Quartalsprognosen noch am Mittag bestätigt hatten.

Nicht minder schlecht wird es am Freitag den Chip-Zulieferern gehen, die vom Erfolg des Branchenriesen Intel abhängig sind. Und auch die Papiere der Hard- und Softwarebranche haben eine weitere Etappe bergab begonnen - der schwache Computermarkt ist es ja, der Intel die Aussichten verhagelt.

Einzelne Marktbeobachter denken nun schon an einen Crash. Der könnte tatsächlich kommen, vor allem wenn auch der zweite wichtige Event der Börsenwoche ein Reinfall wird. Zwar geht man auf dem Parkett ohnehin davon aus, dass die Arbeitslosenquote am Freitagmorgen auf einem historischen Hoch von 6,2% bekannt gegeben wird - doch könnte es auch noch schlimmer kommen. Hewlett-Packard und WorldCom haben mit jeweils 15 000 Entlassungen allein in dieser Woche erneut gezeigt, dass sich eine Erholung nicht abzeichnet, der Computerriese IBM will sich von 1500 Mitarbeitern trennen.

Nun ist guter Rat teuer, denn auch außerhalb des High-Tech-Bereichs gibt es kaum Sektoren, die zum kaufen verlocken. Die Biotech-Aktien zerriss es am Donnerstag, Der Energie-Sektor hat sich disqualifiziert, jüngste Skandale um Tyco haben nicht nur der Aktie sondern auch anderen Industriekonglomeraten geschadet. Die Investoren stürmen angesichts so katastrophaler Aussichten aus dem Markt - und zwar in Massen. Am Donnerstag hat die Wall Street das höchste Handelsvolumen seit Monaten verzeichnet, vieles deutet auf dramatische Kurseinbrüche zum Wochenende.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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