Nach Interview mit der "Bild"-Zeitung
Scharfe Proteste gegen Stihls Forderung nach Rente erst ab 67

Mit dem Vorschlag, das gesetzliche Rentenalter auf 67 Jahre anzuheben, ist der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, auf teilweise scharfen Widerspruch gestoßen.

afp BERLIN. Der Sozialverband VdK erklärte am Dienstag in Bonn, bei 3,7 Millionen Arbeitslosen sei die Verlängerung der Arbeitszeit "eine Illusion". Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer nannte den Vorstoß "völlig unnütz und kontraproduktiv". FDP-Chef Wolfgang Gerhardt betonte, zwar sei richtig, dass die Lebensarbeitszeit in Deutschland wieder verlängert werden müsse. Doch Stihl "zäumt das Pferd von hinten auf": Statt das Rentenalter anzuheben, müsse dafür gesorgt werden, dass die Menschen früher in das Arbeitsleben eintreten.

Stihl sagte der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe), wenn der Generationenvertrag auch künftig Bestand haben solle, "kommen wir nicht daran vorbei, das Renteintrittsalter auf 67 Jahre anzuheben". Dies würde die Rentenkasse spürbar entlasten. Vdk-Präsident Walter Hirrlinger forderte, anstatt einer Anhebung des Rentenalters sollten die Arbeitgeber dazu beitragen, möglichst schnell die hohen Arbeitslosenzahlen zu senken. Dies würde den Rentenkassen zusätzliche Beiträge von rund 30 Milliarden Mark pro Jahr einbringen und die Finanzlage entscheidend verändern.

Engelen-Kefer erklärte in Düsseldorf, Vorschläge wie der Stihls seien dazu angetan, "die Menschen weiter zu verunsichern und die Akzeptanz der Rentenversicherung völlig zu zerstören". Stattdessen sollten die Arbeitgeber endlich Möglichkeiten schaffen, damit die Menschen auch wirklich bis zur jetzigen Altersgrenze von 65 arbeiten könnten. Das tatsächliche Rentenalter liege erheblich unter dieser Grenze, weil ältere Arbeitnehmer aus den Betrieben gedrängt würden und keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. In einer solchen Situation eine Erhöhung der Grenze auf 67 Jahre zu fordern, sei "geradezu zynisch und schürt die Ängste der Menschen vor weiteren damit verbundenen Rentenabschlägen". Schon heute müssten sie Rentenabschläge von bis zu 18 Prozent hinnehmen, wenn sie vor der Regelaltersgrenze von 65 Jahre Rente beziehen.

Gerhardt unterstrich seinerseits, zu lange sei in Deutschland einigen "der Luxus eines lebenslangen Studiums" erlaubt worden. Deshalb plädiere er dafür, dass das Abitur bereits nach zwölf Jahren Schule gemacht werden kann. Zudem müsse ein Studium generell nach acht Semestern absolviert werden können. Auch müsse darüber nachgedacht werden, begabten Kindern einen früheren Schuleintritt mit fünf Jahren zu erlauben.

Stihl verlangte auch Abstriche bei den heutigen Renten. Der Rentenanstieg müsse für alle in den nächsten Jahren bescheidener ausfallen. Die Lasten müssten zwischen Jung und Alt gerecht verteilt werden. Hirrlinger und Engelen-Kefer erklärten dazu, schon jetzt leisteten die Rentner mit der Begrenzung der Rentenanhebung auf den Inflationsausgleich in diesem und im nächsten Jahr ihren Beitrag.

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