Nach jahrelangem Gezerre trennt sich der Ex-Monopolist endgültig vom Fernsehkabel
Analyse: Telekom läßt Wettbewerber in die Ortsnetze

Selten wurde so lange und so erbittert um die Zukunft eines Geschäftszweiges gerungen wie um die des Fernsehkabels in Deutschland. Drei Jahre brauchte die Deutsche Telekom, um sich, wie von den EU-Kartellwächtern gefordert, von dem - neben dem Telefonnetz - zweiten flächendeckenden Kommunikationsnetz zu trennen.

Künftig wird im Kabel ein Duopol aus Denver herrschen: die Kabelgruppe von Richard Callahan und Liberty Media von John Malone. Dass sich neben den beiden etwa gleich starken Anbietern der britische Kabelnetzbetreiber NTL mit seiner vergleichsweise kleinen E-Kabel in Hessen auf Dauer halten wird, scheint unwahrscheinlich.

Mit dem Einzug des Denver-Clans entsteht auf jeden Fall mehr Wettbewerb im deutschen Telekom - und Internetmarkt. Die beiden Gegenspieler des Ex-Monopolisten haben genug Geld, das marode Kabel multimediafähig auszubauen und in Konkurrenz zur Telekom neben Fernsehen auch Internet und Telefonie anzubieten. Wenn sie jetzt klotzen, können sie in wenigen Jahren die stärksten Wettbewerber im Kampf um die Festnetzanschlüsse der Privathaushalte werden. Allerdings müssen sie sich beeilen, denn die Telekom hat die Verkaufsverhandlungen vor allem aus strategischen Gründen so zäh gestaltet.



Dass die Telekom seit kurzem endlich einen Komplettverkauf akzeptiert, dürfte vor allem der Schuldendruck bewirkt haben: Nach dem Verkauf an Liberty und dem Abschluss der noch laufenden Verhandlungen mit Callahan in Baden-Württemberg wird die Telekom am Ende des Jahres mindestens drei Milliarden Euro mehr einnehmen als angekündigt. Die Finanzmärkte wird es freuen.



Die Verzögerungstaktik hat sich trotzdem bereits ausgezahlt für die Telekom: Inzwischen hat sie ihr Telefonnetz mit DSL-Technik auf der letzten Meile für schnelle Datenübertragung ausgebaut. In die Fernseh-Kupferkoaxialkabel investierte sie seit Jahren nichts, so dass diese heute, im Alter von 25 Jahren, anfangen zu verrotten. Am Ende dieses Jahres wird es daher wohl erst einige 100 erneuerte Kabelanschlüsse geben, während die Telekom dann bereits mehr als zwei Millionen Kunden mit schnellen Internetzugängen bedienen will. Breitband-Dienste rund ums Internet sind auch das, womit Callahan und Liberty Geld verdienen wollen. Mit mehr Fernsehprogrammen allein lassen sich der Kaufpreis und die teuren Netzausbaukosten von 800 bis 1 000 DM pro Anschluss nicht hereinholen.



Für den Einstieg ins deutsche Kabel brauchen Callahan und Liberty also neben etlichen Milliarden eine gehörige Portion Mut, und wahrscheinlich erklärt es sich so, dass es wieder US-Amerikaner sind, die hier zu Lande Telekommunikation entwickeln. Die Pionierrolle in einem ungewissen Zukunftsmarkt wollen deutsche und europäische Unternehmen anscheinend ungern übernehmen - zumindest nicht für den Preis, den Liberty zahlt.



Dass Amerikaner gezielt in die neu entstehenden Märkte investieren, die hier zu Lande von einheimischen Unternehmern nicht genutzt werden, hat sich auch schon im Telefon-Festnetz gezeigt. Seit dem Ausstieg der Stromkonzerne sind es fast ausschließlich Beteiligungen von US-Unternehmen, die der Telekom Konkurrenz im Markt für Breitband-Dienste machen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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