Nach Kingfishers Scheitern
Promarkt wagt den Neuanfang

Für den symbolischen Preis von einem Euro haben die Brüder Michael und Matthias Wegert ihre Fachmarktkette Promarkt von Kingfisher zurückgekauft. Mit einer Politik der niedrigen Preise wollen sie vor allem dem Lebensmittelhandel Kunden abjagen und die Elektronik-Kette in die Gewinnzone zurückbringen.

DÜSSELDORF. Als der deutschen Kingfisher-Tochter Promarkt das Aus drohte, entschlossen sich die Berliner Brüder Michael und Matthias Wegert zu handeln: "Nachdem wir durch frühere Mitarbeiter und Presseberichte erfahren haben, dass Kingfisher das Unternehmen womöglich schließen will, haben mein Bruder Matthias und ich mit den Briten Kaufverhandlungen aufgenommen", berichtet Michael Wegert, Geschäftsführer der Promarkt Handels GmbH in Berlin. In mehreren Schritten hatten die Brüder ihre Anteile an den Eleketronik-Fachmärkten Promarkt und den Fachgeschäften Foto-Radio-Wegert 1998 und 1999 an den britischen Handelskonzern Kingfisher verkauft.

Sir Geoffrey Mulcahy, damaliger Kingfisher-Chef, wollte mit seinen britischen Comet-Elektronikfachmärkten, der französischen Darty und den deutschen Promärkten auf dem Wachstumsmarkt Elektronik einen europäische Spitzenreiter formen. Im Heimwerkermarkt war es ihm bereits gelungen, mit den britischen B & Q-Märkten und der französischen Castorama Europas Branchenprimus zusammenzubauen.

Doch Mulcahys Rechnung ging nicht auf. Die deutschen Promärkte, die zum Zeitpunkt der Übernahme noch einen Gewinn von 13 Mill. Euro machten, wie Wegert betonte, rutschten immer tiefer in die Verlustzone. Im letzten Geschäftsjahr wiesen sie 58 Mill. Euro Verlust aus. Der Umsatz betrug rund 800 Mill. Euro. Die Briten fanden für den deutschen Markt nicht das richtige Konzept. Inzwischen ist Mulcahy in den Ruhestand gewechselt. Sein Nachfolger Gerry Murphy hat Kingfisher den vollständigen Ausstieg aus dem Geschäft mit Elektronikfachmärkten verordnet.

Wegert sieht Kauf auch als soziale Verpflichtung

Für den symbolischen Wert von einem Euro verkaufte Kingfisher die deutschen Promärkte im Januar 2003 an die Vorbesitzer zurück. Außerdem gewährten sie eine Bareinlage von 55. Mill. Euro und einen Kreditrahmen von 32,5 Mill. Euro. "Für uns war es unvorstellbar, dass das 1930 von unserem Vater gegründete und von uns bis 1999 geführte Unternehmen geschlossen wird", begründet Michael Wegert den Rückkauf. "Für alle 3 500 Mitarbeiter des Unternehmens hätte dies den sicheren Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet", sieht er auch eine soziale Verpflichtung.

Auch während des britischen Intermezzos haben die Wegert-Brüder den Kontakt zu "ihrem" Unternehmen nie ganz verloren. So kehrten sie Anfang 2001 kurzzeitig als Berater zurück, um die demoralisierten Mitarbeiter zu motivieren und das schlingernde Unternehmen zu stabilisieren. Letzlich blieb es aber beim wenige Monate dauernden Exkurs, weil sich deutsche Berater und der britische Eigentümer nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen konnten.



Dass die Briten in Deutschland - wie bereits andere Ausländer vor ihnen - auf dem preisaggressiven Markt gescheitert sind, ist für Promarkt-Geschäftsführer Wegert leicht zu erklären: "Viele Anbieter wie Fnac, Virgin und selbst Wal-Mart unterschätzen den gnadenlosen Wettbewerb in Deutschland und passen sich nicht oder zu spät den hiesigen Kundenwünschen an", listet er auf. "An Schnickschnack wie einem "Tüteneinpacker" hat in Deutschland kein Kunde Interesse. Was zählt ist allein der Preis."

So hat Kingfisher den Fehler gemacht, die deutsche Tochter unter Führung der französischen Konzernzentrale in Paris zu stellen. Die richtete die Promärkte nach dem gehobenen Standard der französischen Tochter Darty aus. Aber deutsche Kunden sind keine französischen Konsumenten. Im Mittelpunkt des Darty-Modells stehe Service und Beratung, weiß Wegert, "die Werbung hatte mehr den Charakter von schönen Katalogen, denn den von preisaggressiven Angeboten." Der Preis spiele bei den Franzosen nur eine untergeordnete Rolle. Es gebe keine besonders herausgestellten Schnäppchen oder sonstige Aktionen, auf die der deutsche Verbraucher aber extrem anspringt. Schnäppchenjäger kamen in den hochwertig ausgerichteten Promärkten nicht mehr auf ihre Kosten. Sehr anschaulich verdeutlicht die preisaggressive Werbung von Deutschlands Branchenprimus Media Markt/Saturn mit Slogans wie "Geiz ist geil" deutsches Kaufverhalten.

Der alten Händlerweisheit: "All retail is local" - Einzelhandel muss sich an den lokalen Märkten orientieren - mussten sich am Ende auch Briten und Franzosen beugen. Branchenkenner, die bereits vor eineinhalb Jahren unkten, dass Kingfisher mit Promarkt scheitern werde, behielten recht.

An die Neuausrichtung der Promarkt Handels GmbH mit ihren 92 Elektrofachmärkte in Deutschland und Österreich sowie den 88 Foto-Radio-Wegert-Filialen im Großraum Berlin gehen die Wegerts in dem festen Glauben an die "Leistungsfähigkeit" ihrer Märkte. Sie sehen auch die Chance, trotz schwieriger Konjunktur, einen Großteil der Arbeitsplätze zu retten. Was wollen sie besser machen als Kingfisher? Im ersten Schritt kommen die alten und neuen Eigentümer an Kostensenkungen nicht vorbei. "Innerhalb der Promarkt-Gruppe existierten gravierende Unterschiede in der Pro-Kopf-Produktivität", berichtet Michael Wegert, "die Konzernzentrale in Berlin war personell deutlich überdimensioniert und bei Nebenkosten wie z.B. bei der Berechtigung einen Firmenwagen zu erhalten, wurde sehr großzügig verfahren. Es fand kein konsequentes Kostenmanagement statt."

Niedrigpreispolitik

Eine Niedrigpreispolitik setzt aber genau das voraus. So werden 210 Firmenfahrzeuge abgeschafft, die Miete unrentabler Standorte reduziert aber auch Personal abgebaut - an manchen Standorten zwischen 10 und 25 %. Insgesamt wird mehr auf Preiswürdigkeit und Sonderaktionen gesetzt. "Speziell in den verlustbringenden Märkten in Bayern und Baden-Württemberg fällt dieser Schnitt noch deutlicher aus", berichtet Michael Wegert. Viele Artikelgruppen würden zu besonders günstigen Preisen direkt von der Palette verkauft. Diese Fachmarkt-Discounter werden in "Makro-Markt" umbenannt. Mit den Ergebnissen der ersten umgestellten Märkte ist Wegert zufrieden. Der preisaggressive Trend wird sich natürlich auch in der Werbung widerspiegeln.

Wegert sieht vor allem im Lebensmitteleinzelhandel den primären Wettbewerber: "Wir möchten zusätzlich die 20 % der Kunden ansprechen, die ihre Unterhaltungselektronik im Lebensmitteleinzelhandel kaufen." Denn der biete nur sporadisch Sonderaktionen.

Gegen Media Markt/Saturn mit seinen 168 Filialen in Deutschland will Wegert die Schnelligkeit und Flexibilität des Familienunternehmens in die Waagschale werfen: Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Vorteile rechnet er sich auch durch seine zentrale Logistik aus, wodurch das Einkaufsvolumen gebündelt werden könne. Dadurch könnten Sonderangebote schneller und günstiger auf den Markt gebracht werden als bei Media Markt.

Leicht wird es indessen aus Sicht von Marktexperten für Promarkt nicht werden, sich gegen Wettbewerber Media Markt/Saturn durchzusetzen, der als einziger der Branche einen wirklichen Brandname (Markennamen) habe. "Vor zehn Jahren hatte Promarkt noch ein Image", weiß ein Branchenkenner. Das habe in den vergangenen Jahren stark gelitten. Vor Promarkt liegt aus seiner Sicht noch ein langer und steinigen Weg. Grundsätzlich begrüßt er aber, dass die Fachmarktkette wieder versucht in den Wettbewerb einzugreifen. "Das ist positiv für das Umfeld." Denn eine übermächtige Media Markt/Saturn sei auf Dauer gesehen nicht gut für das Preisniveau.

Marktanteile im deutschen Elektrohandel:

  • Media Markt/Saturn (Metro) 22 %

  • RIC (Ruefach/Interfunk) 15 %
  • Electronic Partner 8 %
  • Expert 8 %
  • Karstadt-Quelle 7 %
  • Promarkt 3 %
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%