Nach Klimmt-Rücktritt
Bodewig plant UMTS-Milliarden für Bahnsanierung

Mit Hilfe der UMTS-Milliarden sollen in den kommenden drei Jahren rund 40 000 Baumaßnahmen zur Sanierung des maroden Schienennetzes der Bahn finanziert werden. Der designierte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, geplant sei die Beseitigung von Langsamfahrstellen, die Sanierung von Brücken und Tunneln sowie die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik.

rtr BERLIN. Als Folge des Investitionsprogramms, das bis 2003 einen Umfang von 15 Mrd. DM hat, kann nach Ansicht Bodewigs in der Bauindustrie mit 24 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet werden. Verkehrspolitiker von SPD und Grünen forderten, das Programm auch über das Jahr 2003 hinaus fortzusetzen.

Wie von der Regierung beschlossen, erhält die Bahn aus den Zinserparnissen in Folge der Versteigerung der UMTS- Mobilfunklizenzen von 2001 bis 2003 jährlich 2 Mrd. DM zusätzlich. Damit stiegen die Schienenwege-Investitionen des Bundes auf rund 8,7 Mrd. DM jährlich, sagte Bodewig, der derzeit noch Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium ist. Die bis 2003 auf insgesamt 15 Mrd. DM ansteigenden Investitionen in das bestehende Netz ermöglichten es erstmals, in diesem Bereich den tatsächlichen Bedarf zu decken, sagte der SPD-Politiker. Damit werde die Qualität des Netzes verbessert sowie die Sicherheit und Pünktlichkeit der Bahn erhöht.

Nach seinen Angaben existieren derzeit im Schienennetz rund 600 im Fahrplan nicht berücksichtigte Schienenabschnitte, an denen die Züge langsamer als geplant fahren müssen. Die Folge seien Verspätungen von rund 21 000 Minuten täglich. Neben der Beseitigung dieser Langsamfahrstellen sollten auch verschiedene Bauvorhaben rascher begonnen beziehungsweise zügiger als geplant fertig gestellt werden, unter anderem der Ausbau der Strecke Karlsruhe - Offenburg - Basel und Berlin - Frankfurt/Oder.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Albert Schmidt (Grüne), der Mitglied im Bahn-Aufsichtsrat ist, sprach von einem wichtigen Meilenstein in der Verkehrspolitik. Die SPD-Verkehrspolitikerin Angelika Mertens betonte, das Investitionskonzept sei regional ausgewogen. Beide forderten jedoch eine Verstetigung der Bahninvestitionen. Mertens sagte, die UMTS-Milliarden seien nur ein "kleines Sahnehäubchen" für die Bahn. Sie reichten nicht aus, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Angesichts unerwarteter Milliardendefizite hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am Mittwoch einen strikten Sanierungskurs für sein Unternehmen angekündigt. Im Mittelpunkt soll die Erhaltung und Modernisierung des Schienennetzes und des Wagenparks stehen. Zudem kündigte Mehdorn einen weiteren Personalabbau, Streckenstilllegungen und die Überprüfung aller Investitionen auf Rentabilität an. Seinen Angaben zufolge wird die Bahn in den kommenden 5 Jahren ihre Gewinnziele um insgesamt rund 20 Mrd. DM verfehlen. Dadurch werden in diesem Zeitraum Verluste von rund 5 Mrd. DM entstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%