Nach kräftigem Rückggang der Erdgaspreise mit Erholung im Winter gerechnet
Analysten sehen Chancen für Gas-Aktien

Die Energiekrise in den USA hat sich entspannt. Daher sind die Aktienkurse von Öl- und Erdgasproduzenten in jüngster Zeit stark zurückgefallen. Da jedoch schon beim nächsten Aufschwung im Energiesektor wieder Kapazitätsprobleme auftreten könnten, sehen Analysten für diesen Bereich erhebliches Kurspotenzial.

HB FRANKFURT/M. Energieaktien galten wegen ihrer erheblichen Substanz und der Abhängigkeit der Weltwirtschaft von einer reibungslosen Energieversorgung lange Zeit als sichere Investments. Als in Kalifornien in den vergangenen Monaten wegen akuter Stromverknappung zeitweise die Lichter ausgingen, erfreuten sich vor allem Aktien nordamerikanischer Erdgas-Unternehmen starken Interesses.

John J. Gerdes, Energie-Analyst vom Finanzhaus Raymond James & Associates, sieht in der derzeitigen Schwäche der Öl- und Gasaktien in den USA eine interessante Einstiegschance für Anleger. Er hat daher an der New York Stock Exchange gelistete Aktien wie Anadarko Petroleum, EOG Resources, Key Production, Magnum Hunter, Ocean Energy und St. Mary Land & Exploration mit "Strong Buy" (nachdrückliche Kaufempfehlung) bewertet. Als Top-Favoriten in diesem Sektor nennt er ATP Oil & Gas, Vintage Petroleum und XTO Energy.

Die meisten US-Hausbauer setzen auf Gas

Fast alle Kraftwerke in den USA setzen Naturgas als Primär-Energiequelle ein. Darüber hinaus wird Gas in 70 % aller US-Neubauten als Brennstoff verwendet. Während der Energiekrise war der Gaspreis an der New York Mercantile Exchange (Nymex) zur Jahreswende 2000/01 von 5 $/mmBtu auf mehr als 10 $/mmBtu in die Höhe geschossen. (Eine Kilowattstunde entspricht 0,003412 mmBtu). Doch die Zeiten haben sich geändert. Im Zuge des starken Konjunktureinbruchs in Nordamerika ist der Erdgaspreis mit 2,30 $/mmBtu auf den niedrigsten Stand seit mehr als 18 Monaten gefallen.

Mit diesem Preisverfall ging eine geringere Auslastung der Bohreinrichtungen (Rigs) in den Gewässern des Golf von Mexico einher. Die Auslastung der dortigen Rigs, mit denen nach Öl- und Gas-Lagerstätten gesucht wird, fiel nach Angaben von Offshore Data Services von 90,5 % im April auf zuletzt nur noch 77 %. Wegen der rückläufigen Nachfrage nach Bohrgeräten kamen auch die Leasingraten für die in 75 m tiefem Meerwasser stehenden Bohr-Rigs unter Druck.

Gasmarkt könnte sich bald erholen

"Die Preise sind von ihrem Spitzenwert bei 50 000 $ pro Tag auf zuletzt nur noch 30 000 $ pro Tag gefallen", sagt Angelina Sedita vom Finanzhaus Lehman Brothers. Michael La Motte, Analyst bei J.P. Morgan, sieht Anzeichen dafür, dass die Bohraktivitäten im Golf von Mexico bis Ende des Jahres wieder zunehmen. Chevron Corp. und Anadarko Petroleum hätten Interesse gezeigt, wieder mehr Rigs zu betreiben.

Vor diesem Hintergrund fällt der Rückgang des Naturgas-Aktienindex der American Stock Exchange (Amex) um 25 % in diesem Jahr recht glimpflich aus. Einige Wall - Street- Analysten wollen kurzfristig zwar einen Rückgang des Gaspreises auf 2,00 $/mmBtu nicht ausschließen. Doch mittelfristig erwarten sie eine Wende am Gasmarkt.

"Auch bei einem nur normalen Winter kann der Gaspreis rasch wieder auf 3 $ oder sogar 4 $/mmBtu steigen", sagt Jay Saunders von der Deutschen Bank.Die Gaspreise lägen jetzt auf einem Niveau, bei dem es sich für große Energieverbraucher lohne, von anderen Energieträgern wieder auf Erdgas umzusteigen, sagt Analyst Gerdes.

Da die Erdgasläger in den USA während der vergangenen Wochen wegen der niedrigen Preise rasch aufgefüllt wurden, bleibt Gerdes kurzfristig bei seiner negativen Preiserwartung für den Gasmarkt. Mittelfristig sei jedoch ein Gaspreis von über 3,50 $/ mmBtu notwendig, um am nordamerikanischen Gasmarkt einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen, sagt Gerdes. "Langfristig halten wir an der Prognose eines Erdgaspreises zwischen 3,50 und 5,50 $/mmBtu fest", sagt Gerdes.

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