Nach Kurseinbruch der Aktie Gerüchte über Wechsel sowohl im Vorstand als auch im Aktionärskreis der Medienhandelsgruppe
Krisenstimmung bei Buchändler Libro

Die Buch- und Medienhandelskette Libro kommt nicht zur Ruhe. In Wien halten sich die Gerüchte über eine Auswechslung des Vorstandes. Auch die Deutschland-Expansion steht auf der Kippe. Inzwischen wird in der österreichischen Presse über den Einstieg einer großen Handelsgruppe spekuliert.

kg WIEN. Hohe Verluste und ein dramatischer Kursverfall der Aktie auf zuletzt 9,50 Euro haben den Druck auf den Vorstand der Buch- und Medienkette Libro AG, Wien/Guntramsdorf, deutlich erhöht. Zwei Wiener Tageszeitungen berichteten am Freitag übereinstimmend, dass sowohl Vorstandschef Andre Rettberg als auch Finanzchef Johann Knöbl vor der Ablösung stünden. Rettberg, der 7,4 % der Libro-Aktien hält, soll in den Aufsichtsrat wechseln, Knöbl ganz ausscheiden.

Eine Entscheidung darüber solle in der Aufsichtsratssitzung am 20. April fallen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Stiassny von der Beteiligungsgesellschaft UIAG ließ dazu nur mitteilen, "dass dies so nicht richtig" sei. Das Problem dabei dürfte eine Klausel im Syndikatsvertrag zwischen den Mehrheitseignern UIAG, deren Mutter Deutsche Beteiligungs AG und der Telekom Austria sein. Sie besagt, dass die Beteiligung des Managements an Libro bis Dezember 2002 nicht unter 8 % fallen dürfe.

Dagegen könnte ein Wechsel im Aktionärskreis durchaus Sinn machen und soll auch bereits betrieben werden. Laut Angaben der Tageszeitung "Presse" ist an den Einstieg einer "großen Handelsgruppe" gedacht, die das Sortiment von Libro ergänzen könnte. Begründet wird dies damit, dass die geplante Expansion in Deutschland wegen der hohen Verschuldung (Nettoschulden 96 Mill Euro) nur mit einem Partner machbar wäre. Bis zum Herbst müsste jedenfalls der Wert von Libro durch eine Neuausrichtung deutlich gesteigert werden, nur dann könne die Gruppe "herausgeputzt auf Brautschau gehen".

Erste bilanztechnische Weichen wurden dafür bereits gestellt. So belasten die hohen Verluste der Online-Tochter lion.cc von zuletzt etwa 30 Mill Euro die Libro-Bilanz nicht mehr, obwohl Libro 58,9 % der Anteile hält. Die Essener WAZ-Gruppe mit 35 % zweitgrößter Aktionär von lion.cc hatte sich verpflichtet, den Liquiditätsbedarf von lion.cc abzudecken. Zudem wurden mit Wirkung vom Freitag die 70 000 privaten Web-Provider-Kunden von lion.cc und 130 000 registrierte Nutzer an die Internet-Tochter Jet2Web der Telekom Austria verkauft. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt, er dürfte aber um einiges unter dem in Medien kolportierte Wert von 125 Euro je Kunde liegen, schätzen Marktkenner.

Bei der Präsentation der vorläufigen Ergebnisse wurde bestätigt, dass sich Libro auf den Einzelhandel konzentrieren will. Nur hier werden schwarze Zahlen geschrieben. Alle anderen Segmente, von der Buchhandels-Kette Amadeus über Libro Deutschland bis zum Entertainment-Bereich weisen negative Ebitda-Margen aus (Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). Mit den Libro-Läden will die Gruppe in Österreich nun zum "Informations McDonald?s" im Massenmarkt werden, während Amadeus im oberen Preissegment und und für Kunden "über 30" positioniert werden soll.

In Deutschland scheint dagegen eine völlige Neuausrichtung bevorzustehen. Laut einer Analyse der Erste Bank jedenfalls hat Libro im abgelaufenen Geschäftsjahr in Deutschland bei einem Umsatz von 12 Mill Euro ein negatives Ebitda von 8,2 Mill Euro eingefahren. Daher, so Analyst Günther Artner, müsse nach der Übernahme von zehn "Boulevard-Filialen" jetzt mit "einigen Filialschließungen und einer radikal gekürzten Expansionspolitik" gerechnet werden.

Für die Libro-Gruppe erwartet die Erste Bank für 2000/01 einen Verlust je Aktie von 0,56 nach einem Minus von 0,18 Euro im Vorjahr. Die Aktie sei trotz des Kursrutsches mit einem Verschuldungsgrad von 141 % und Nettoverbindlichkeiten von 96 Mill Euro "nicht unterbewertet". Im Vergleich zu Mitbewerbern werde Libro sogar noch mit einem Aufschlag gehandelt. Für das mit März angelaufene G eschäftsjahr 2001/02 erwartet die Erste Bank zwar schon ein positives Betriebsergebnis aber immer noch einen Nettoverlust von 0,8 (-5,3) Mill Euro.

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