Nach Kursturbulenzen
Leichte Beruhigung an den Börsen Europas

Nach den zeitweise fast panikartigen Verkäufen vom Vortag haben sich die europäischen Aktienbörsen dank einer freundlichen Schlusstendenz an der Tokioter Börse am Donnerstag zunächst etwas beruhigt. Allerdings schwächte sich in Deutschland ein leichter Kursaufschwung im weiteren Verlauf wieder etwas ab.

Reuters FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der zeitweise ein vorläufiges Tageshoch von 5 884 Punkten erreicht hatte, fiel bis Mittag wieder auf ein Niveau von rund 5 856 Punkten und lag damit noch rund ein Prozent im Plus. Die Marke von 5 800 Punkten sollte aber vorläufig halten, sagten Händler. Die großen europäischen Indizes legten im Vergleich zu den starken gesunkenen Notierungen vom Mittwoch ebenfalls leicht zu. Die maßgeblichen Terminkontrakte für die US-Märkte deuteten für die dortige Börseneröffnung ebenfalls eine Erholung an.

In Tokio hatte eine Ankündigung der japanischen Sanwa Bank die Sorgen der japanischen Anleger über die Finanzkrise gedämpft und sie aus ihrer "Verkaufsstimmung" gerissen. Die Bank hatte als erste unter den vier Großbanken für sich und zwei weitere Banken die Rückstellungen für Problemkredite fast verdoppelt. Händler und Analysten sagten, damit signalisiere wenigstens eine der Großbanken, dass sie zu schmerzhaften Verlusten bereit ist, um problematische Kredite in den Griff zu bekommen. Der 225-Werte umfassende Nikkei-Index legte um 309,24 Punkte oder 2,61 % auf 12 152,83 Zähler zu. Gerüchte über eine mögliche Bankenpleite seien damit erst einmal vom Tisch, sagten deutsche Händler zu der Entwicklung in Tokio. "Es gibt zwar einen Riesenabschreibungsbedarf, aber da wird der Staat wieder helfend eingreifen", hieß es.

Im deutschen Aktienhandel zählten am Donnerstag bei geringem Umsatz die Deutsche Telekom sowie die Technologiewerte Epcos und Infineon mit Kurszuwächsen von etwa fünf Prozent zu den größten Gewinnern im Dax. Auf der Verliererseite standen weiterhin einige Banken und Autowerte. Dabei waren die Verluste mit weniger als einem Prozent aber deutlich kleiner als am Vortag. Auch am Neuen Markt zogen die Kurse um knapp zwei Prozent an. "Es gibt wieder Käufer", sagte ein Händler.

Stimmung weiter schlecht



Nach Angaben von Händlern blieb die Stimmung an den Märkten ungeachtet der etwas beruhigten Lage weiter sehr schlecht. Immer neue negative Unternehmensnachrichten, weiterhin kursierende Gerüchte über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit einer japanischen Großbank und eine geradezu fieberhafte Angst vor der Sitzung der US-Notenbank am nächsten Dienstag beherrschten die Gespräche in den Handelssälen. Am Donnerstag veröffentlichte nach dem Konkurrenten Ericsson auch der weltgrößte Mobilfunktelefon-Hersteller Nokia eine Umsatzwarnung für das erste Geschäftsquartal. Der Umsatz werde nur um bis zu 20 statt erwarteter 25 bis 30 % erwartet. Allerdings beließ das Unternehmen seine Gewinnprognose unverändert, da die Rendite im ersten Quartal besser als erwartet ausfallen werde. Der Kurs der Nokia-Aktie legte nach der Ankündigung zu.

Belastet wurde die Stimmung an den Märkten nach Angaben von Händlern von Äußerungen des Chefs des Netzwerkherstellers Cisco , John Chambers. Chambers hatte am Mittwochabend gewarnt, dass die Verlangsamung der Investitionsausgaben in den USA auf andere Teile der Welt überspringen könnte. Er habe ursprünglich gedacht, dass es in seiner Branche nur im ersten Halbjahr eine Herausforderung gebe. Er denke nun aber, dass die Chancen 50 zu 50 stünden, dass sich dies auf das zweite Halbjahr ausdehne, hatte Chambers gesagt.

Am Mittwoch hatten unter anderem die Befürchtungen über die Folgen der Finanzkrise in Japan zunächst in Europa und später auch an den US-Börsen die Kurse kräftig einbrechen lassen. In New York waren bei dem Fall des Dow-Jones-Index um drei Prozent unter die 10 000-Punkte-Marke rund 310 Mrd. $ an Vermögen vernichtet worden. Damit ist der Marktwert der dortigen Aktien seit den Höchstständen vom März 2000 um insgesamt 4,9 Billionen $ geschrumpft - diese Summe entspricht fast der Hälfte des Wertes aller US-Waren und Dienstleistungen im vergangenen Jahr. Der Dow-Jones-Index hatte auf 9973 Punkten geschlossen und damit seit vergangenen Donnerstag rund 900 Zähler verloren. Die Nasdaq hatte ein Minus von rund zwei Prozent ausgewiesen.

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