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Nach Lucio-Kritik: Magath hält sich Bestrafung offen

Weltmeister Lucio hat die angespannte Stimmung beim FC Bayern München mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen Felix Magath zusätzlich angeheizt und dem Trainer mit Konsequenzen gedroht.

dpa MÜNCHEN. Weltmeister Lucio hat die angespannte Stimmung beim FC Bayern München mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen Felix Magath zusätzlich angeheizt und dem Trainer mit Konsequenzen gedroht.

"Wenn das weiterhin passiert, kriegt Magath Probleme: Ich bin kein Auswechselspieler", sagte der Brasilianer nach seiner Auswechslung beim 1:4-Debakel gegen Bayer Leverkusen in einem Interview des Sportmagazins "kicker". "Das tat mir sehr weh." Trotz der deutlichen Kritik reagierte Magath nach dem Training am Donnerstag überraschend zurückhaltend und kündigte vor einer möglichen Bestrafung ein Gespräch mit dem Brasilianer an.

Lucios Verbalattacke konnte Magath zumindest äußerlich nicht erschüttern. "Ich sehe nicht, wie mir ein Spieler drohen könnte. Ich habe ein Problem, wenn ein Spieler schlecht spielt", konterte der 51-Jährige die Kritik des Verteidigers. Obwohl er kein Freund von Strafen sei, schloss Magath eine Geldbuße gegen den mit zwölf Mill. ? Ablösesumme zweitteuersten Spieler der Vereinsgeschichte nach dessen öffentlichen Vorpreschen nicht aus. "In einer Gesellschaft muss man sich an Regeln halten, und da gibt es manchmal auch Strafen", sagte Magath. Zunächst wolle er aber Lucio zur Rede stellen.

Unter Magaths Vorgänger Ottmar Hitzfeld waren unter anderen Michael Ballack und Willy Sagnol nach Kritik am Spielsystem mit Geldstrafen belegt worden. Mögliche Konsequenzen für Lucio wollte die Vereinsführung Magath überlassen, der nach gut zwei Monaten im Amt über disziplinarische Maßnahmen gegen einen seiner Führungsspieler entscheiden muss.

Nach dem schlechten Saisonstart mit nur vier Punkten aus drei Spielen war es zuletzt zu Misstönen zwischen Magath und seinen Stars gekommen. Magath hatte die blamable Niederlage in Leverkusen als deutliches Zeichen gewertet, "dass es nur mit Talent nicht geht".

Gegen Leverkusen war Lucio beim Stand von 0:4 nach 60 Minuten ausgewechselt und durch Verteidiger Martin Demichelis ersetzt worden. Auch nach dem Training am Donnerstag äußerte sich Lucio kritisch über die Lage bei seinem neuen Club. "Ich kann es nicht verstehen, dass ich ausgewechselt worden bin", sagte der 26-Jährige.

Zudem zeigte der Brasilianer generelles Unverständnis für die Taktik Magaths: "Es ist nicht normal, wenn ein Abwehrspieler ausgewechselt wird", sagte er. "Wie ich Fußball verstehe, ist es - wenn die eigene Mannschaft im Rückstand liegt - nicht vorteilhaft, Abwehrspieler auszuwechseln, sondern Stürmer, um noch Tore zu schießen", erklärte er. Zugleich ermahnte er seine Kollegen beim Rekordmeister: "Die Mannschaft muss mit mehr Kraft spielen, nicht so schlapp wie in Leverkusen."

Lucio machte auch das Training Magaths für das schwache Auftreten verantwortlich. Zwar sei er wegen seiner Knieverletzung in der Vorbereitung erst später ins Mannschaftstraining eingestiegen. "Aber so hart wie unter Magath habe ich noch nie trainiert, nicht bei der Nationalelf, auch nicht in Leverkusen", sagte er: "Ich lebe von meiner Kraft und Spritzigkeit, beides ist im Moment nicht da." Magaths süffisante Antwort: "Wir alle leben von unserer Kraft."

Nach dem schlechten Start hat Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld unterdessen seinen Nachfolger in Schutz genommen. "Ich finde es übertrieben, wenn jetzt schon Kritik geübt wird", sagte der ehemalige Bayern-Trainer. "Kritik nach dem dritten Spieltag ist total überzogen."

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