Nach Meldung über Produktionstopp
VW-Aktie stürzt ab

Der Kurs der Volkswagen-Aktie ist nach einer Meldung über einen zu Jahresanfang geplanten Produktionsstopp im Stammwerk Wolfsburg auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Monaten eingebrochen.

Reuters WOLFSBURG. Die Aktie verlor zeitweise über zehn Prozent an Wert und markierte damit den größten prozentualen Tagesverlust seit Oktober 1998. In einem insgesamt rückläufigen Aktienmarkt war das Volkswagen-Papier bei überdurchschnittlichen Umsätzen der größte Verlierer im deutschen Aktienindex (Dax).

Im Vergleich zum Vortag verlor Europas größter Automobilkonzern an der Börse rund 1,1 Milliarden Euro an Wert und wurde nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters nur noch mit 10,3 Milliarden Euro bewertet. Zuvor hatte der Konzern einen Pressebericht weitgehend bestätigt, wonach die Produktionsbänder im Stammwerk Wolfsburg in den ersten beiden Januar-Wochen außerplanmäßig gestoppt werden sollen.

Während die "Braunschweiger Zeitung" die lahmende Autokonjunktur dafür als Grund nannte, sagte ein Konzernsprecher, die traditionelle Produktionspause zwischen Weihnachten und Neujahr solle lediglich für technische Vorbereitungen beim Anlauf des neuen Golf um eine Woche verlängert werden. Nach Betriebsratsangaben dauern die Werksferien jedoch bis zum 12. Januar. Damit ruht die Produktion im größten Volkswagenwerk in den beiden ersten Kalenderwochen. Analysten vermuteten, der Schritt habe sowohl mit der schwachen Autonachfrage als auch mit technischen Vorbereitungen für den Produktionsanlauf des neuen Golf-Modells tun.

Volkswagen hatte unlängst sein Absatzziel für das laufende Jahr wegen der schwachen Nachfrage auf knapp unter fünf Millionen Fahrzeuge gesenkt. Ursprünglich hatte der Konzern auch für 2002 mit einer Fünf vor dem Komma gerechnet, schließlich aber eingeräumt, dies sei nicht mehr zu erreichen. Für 2003 rechnet der Konzern mit mehr als fünf Millionen verkauften Fahrzeugen, falls die Konjunktur wieder anspringen sollte.

Branchenexperten äußerten sich wenig überrascht über den Produktionsstopp. Sie bezeichneten den Kursverlust als übertrieben. Der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler in Frankfurt sagte, die Produktionspause sei vermutlich sowohl auf die schwache Nachfrage nach dem auslaufenden Golf-Modell als auch auf die genannten technischen Vorbereitungen für die Produktion des neuen Modells zurückzuführen. In normalen Zeiten des Aktienmarktes hätte die Nachricht vielleicht zu einem leichten Abschlag geführt, nicht aber zu einem derartigen Kurseinbruch. Die Reaktion der Börse sei bei weitem übertrieben.

Der Analyst Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin sagte, eine Produktionsumrüstung für ein erst in neun Monaten erwartetes Modell erscheine etwas früh. "Wenn der Golf V aber zur Automobilmesse im Herbst auf den Markt kommen soll, müssen sie schon jetzt etwas machen." Mit Blick auf die Produktionssteuerung sei es vernünftig, die Werksferien dafür zu nutzen. Dann müsse auch das Kraftwerk nicht genutzt werden. Der neue Golf soll auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im Herbst 2003 in Frankfurt präsentiert werden und anschließend auf den Markt kommen.

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