Nach Milliardenverlusten
Infineon sieht erstmals Hoffnungsschimmer

Nach Milliardenverlusten sieht Infineon jetzt erstmals Hoffnungsschimmer in der krisengeschüttelten Halbleiterbranche.

HB/dpa LONDON. "Generell sind die Dinge auf dem Weg der Besserung", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Freitag auf einer Strategiekonferenz in London. Der Umsatz zeige bei Infineon wieder nach oben. Allerdings sei der Preisdruck weiter hoch. Für den nächsten Aufschwung sieht sich Infineon aber gut gerüstet. Im wichtigen Speicherchip-Geschäft beginnen sich die Milliardeninvestitionen in das Werk Dresden auszuzahlen.

Bisher hatte Infineon stets erklärt, ein Aufschwung sei nicht in Sicht. Vorstand Peter Bauer sagte nun, er sehe für das laufende und das erste Quartal 2003 Wachstum in allen Bereichen. Gerade in Asien hätten Umsatz und Auftragseingänge zuletzt nach oben gezeigt. Schumacher betonte, Bauers Prognose beziehe sich auf Umsatz und nicht auf den Gewinn. Allerdings hätten sich die Speicherpreise im laufenden Quartal recht gut entwickelt. Im Jahr 2001/02 (30. September) lagen die Preise unter den Vollkosten. Auch deshalb stieg der Konzern-Verlust vor Steuern und Zinsen leicht auf 1,14 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 8 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Keine Entwarnung

Entwarnung wollte Schumacher noch nicht geben. "Das erste Quartal 2003 ist das Schicksalsquartal." Dann werde sich zeigen, ob die optimistischen Bestellungen der Kunden beispielsweise für Handys im Weihnachtsgeschäft auch ihre Abnehmer gefunden hätten. "Wenn das Geschäft im nächsten Quartal nicht stark einbricht, dann sind wir aus dem gröbsten raus." Infineon fertig unter anderem Chips für die Computer- und Telekommunikationsbranche sowie für die Autoindustrie. Das Speichergeschäft will Schumacher trotz der heftigen Zyklen ausbauen. "Wir glauben an das Geschäft. Es ist ein Produkt, das wirklich gebraucht wird.". Ein Jahr nach Start der neuen 300-Millimeter-Technologie in Dresden könnten Speicherchips dort ab sofort billiger hergestellt werden als in allen anderen Werken, die noch mit der bisherigen 200-Millimeter-Fertigung arbeiten. Wenn die Kapazitäten im Sommer 2003 voll ausgeschöpft sind, erhofft sich Infineon Produktivitätsvorteile von 30 Prozent. Laut Branchenschätzungen sollen bis dahin etwa 200 neue Arbeitsplätze in Dresden geschaffen werden. Infineon hatte in Dresden 1,1 Milliarden Euro in die neue Technologie investiert.

Weltmarktanteil verdoppeln

Schumacher bekräftigte die mittelfristigen Wachstumsziele. Infineon wolle bis 2007 seinen Weltmarktanteil von drei auf sechs Prozent verdoppeln und von Rang sechs unter die vier größten Halbleiterhersteller vorstoßen. Dabei solle auch die Profitabilität deutlich gesteigert werden. Ziel seien in allen Geschäftsbereichen Umsatzrenditen vor Steuern und Zinsen von mehr als 15 Prozent. Mit Verweis auf die hohen Steuern in Deutschland drohte Schumacher mit der Flucht ins Ausland. Die Verlagerung der Konzernzentrale sei nicht ausgeschlossen. Konkurrenten müssten teilweise nur halb so viel Steuern zahlen. "Das ist nicht akzeptabel." Der Konzern prüfe alle Möglichkeiten. Es seien aber noch keine Entscheidung gefallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%