Nach Mobilcom-E-Plus-Deal neue Kooperationen erwartet
Kleine UMTS-Anbieter helfen sich gegenseitig

Nachdem die Mobilcom AG am Wochenende eine Netzkooperation mit der E-Plus GmbH verkündet hat, erwarten Branchenexperten, dass sich nun die Group 3G mit der Viag Interkom auf einen ähnlichen Vertrag einigen wird.

HB BERLIN. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfahren hat, verhandelt die British-Telecom-Tochter Viag Interkom bereits seit längerem mit dem UMTS-Joint-Venture der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera. Allerdings stehe man noch nicht kurz vor einem Abschluss, hieß es. Viag Interkom-Chef Maximilian Ardelt hatte auf der Cebit im März angekündigt, sein existierendes GSM-Netz an Konkurrenten untervermieten zu wollen.

Sowohl Mobilcom als auch die Group 3G haben für je 16 Mrd. DM eine UMTS-Lizenz ersteigert. Sie brauchen aber zum Marktstart in zwei bis drei Jahren den Zugriff auf ein bereits existierendes GSM-Netz, wenn sie nicht nur Großstadt-Mobilfunk, sondern flächendeckend mobile Datendienste anbieten wollen. Die existierenden Mobilfunknetzbetreiber T-Mobil, D2, E-Plus und Viag Interkom könnten den neuen Konkurrenten den Markteintritt verwehren, indem sie ihre Netze nicht weiter vermieten.

Zumindest die kleinen Betreiber E-Plus und Viag Interkom sehen jedoch größere Vorteile darin, in naher Zukunft das alte GSM besser auszulasten und damit mehr Geld zu verdienen, als neue Konkurrenten vom Markt fernzuhalten

Der Vertrag mit Mobilcom "sichert uns signifikante zusätzliche Einnahmen", begründet Uwe Bergheim, Chef von E-Plus, den Deal. Kommerzielle und technische Details erklären beide Unternehmen zum Geheimnis. Eine E-Plus-Sprecherin sagte auf Anfrage, dass allein die Mobilcom entscheide, welche Dienste sie auf dem E-Plus-Netz anbieten wolle. Zusammen mit Bergmanns Äußerungen deutet dies darauf hin, dass es sich um einen großen Deal handelt. Zum Vergleich: Viag Interkom zahlt jährlich 1 Mrd. DM an T-Mobil, um deren Netz allein im ländlichen Raum mitbenutzen zu dürfen.

Wie in Bankenkreisen zu hören ist, verhandelt Mobilcom mit E-Plus außerdem über einen gemeinsamen UMTS-Netzaufbau. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hatte früher bereits gesagt, dass sein Unternehmen durch den gemeinsamen Aufbau bis zu 40 % der 6 Mrd. Euro Netzaufbaukosten sparen könnte. Dieses Gesamtpaket würde Mobilcom auf einen Schlag tatsächlich in die Netzbetreiber-Liga katapultieren. Ganz so weit ist es anscheinend noch nicht. Ansonsten, so vermuteten gestern Londoner Analysten, hätte Mobilcom den Deal nicht so zurückhaltend angekündigt.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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