Nach monatelanger Krise
Qwest gibt umstrittenem Chef den Laufpass

Der amerikanische Telekomkonzern Qwest Communications International hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Chef Joseph Nacchio getrennt. Zugleich trat Vice Chairman Philip Anschutz zurück, der Nacchio 1997 verpflichtet hatte.

tor. Neuer Chairman und Chief Executive Officer von Qwest ist Richard Notebaert, bislang Chef des Telekomdienstleisters Tellabs.

Der erzwungene Rücktritt des 52-jährigen Nacchio kommt nicht unerwartet, steckt Qwest doch seit Monaten in einer schweren Krise. Das Geschäft liegt am Boden, der Börsenkurs auch, die Schulden haben mit 26 Milliarden Dollar eine bedrohliche Höhe erreicht, die US-Börsenaufsicht SEC untersucht angebliche Bilanzmanipulationen des Konzerns. "Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens war extrem niedrig und Nacchio war dafür verantwortlich", sagte James Friedland, Analyst der Investmentgesellschaft Robertson Stephens, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nacchios Abgang kommt nur wenige Wochen nach dem ebenfalls unrühmlichen Rückzug von Worldcom-Chef Bernie Ebbers. Wie Ebbers kam auch Nacchio während der Telekom-Hysterie nach oben und machte aus der kleinen Firma Qwest einen weltweit tätigen Konzern mit 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Sein größter Coup war die Übernahme der regionalen Telefongesellschaft US West vor zwei Jahren.

Kurz danach ging es jedoch mit Qwest rapide bergab. Nacchio investierte im Glauben an einen endlosen Internet-Boom massiv in den Aufbau eines Glasfasernetzes. Als die Telekom-Blase platzte, blieb das Unternehmen mit einem riesigen Schuldenberg zurück. Die folgende Sparwelle kostete 17 000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz. Nacchio kassierte zur gleichen Zeit 300 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Qwest-Aktien und genehmigte sich noch vor kurzem eine Gehaltserhöhung auf 5,25 Millionen Dollar.

Dringlichste Aufgabe für seinen Nachfolger Notebeart ist der Verkauf der Gelben Seiten von Qwest. Das Unternehmen erhofft sich Einnahmen von 10 Milliarden Dollar, um damit seine Schulden zu verringern. Die Ratingagenturen haben die Bonität derweil auf die niedrigste Stufe herabgestuft.

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