Nach Peters-Nominierung: Arbeitgeber gehen auf IG Metall zu

Nach Peters-Nominierung
Arbeitgeber gehen auf IG Metall zu

Nach der Nominierung des zum linken Gewerkschaftsflügel zählenden Jürgen Peters sind die Arbeitgeber bemüht, den Gesprächsfaden zur IG Metall nicht abreißen zu lassen.

rtr HAMBURG. Gewerkschaftsforscher befürchten dagegen eine Verhärtung der Fronten zwischen den Tarifparteien. Peters kündigte am Mittwoch in einem Reuters-Interview erneut massive Proteste gegen die von der Bundesregierung geplanten Reformen an, signalisierte aber ebenfalls Gesprächsbereitschaft. An der Gewerkschaftsbasis löste Peters' Nominierung ein geteiltes Echo aus.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verwies in einer Stellungnahme zur Nominierung von Peters auf die vor den Tarifparteien liegenden Aufgaben, zu denen er unter anderem die dringend notwendige Wiederbelebung der wirtschaftlichen Dynamik zählte. Die Arbeitgeber wünschten sich dafür eine kraftvolle IG Metall, die aber zugleich offen sei für Neues. In jedem Fall werde man aber froh sein, wenn die Zwickel-Nachfolge endgültig geklärt sei. Denn die innergewerkschaftliche Auseinandersetzung darüber schwebe seit geraumer Zeit "wie eine Dunstglocke über unserer ohnehin schon schwierigen gemeinsamen Sacharbeit", sagte Kannegiesser.

Der Gesamtvorstand der IG Metall hatte sich am Dienstag überraschend für den als kämpferisch geltenden Peters und gegen den baden-württembergischen Bezirkschef Berthold Huber als Nachfolger des im Oktober aus Altersgründen ausscheidenden Gewerkschaftschefs Klaus Zwickel ausgesprochen. Huber, den Zwickel selbst als seinen Nachfolger empfohlen hatte, akzeptierte anschließend die Niederlage. Er soll auf dem Gewerkschaftstag im Herbst in Hannover als Stellvertreter Peters kandidieren. Gewerkschaftskreise rechneten nicht damit, dass Huber dann gegen Peters kandidiert. In in vier Jahren könnte Huber Peters als IG-Metall-Chef ablösen. Im Gegensatz zu der eher moderaten und von Hoffnung auf Kooperation getragenen Stellungnahme der Arbeitgeber äußerte der Berliner Gewerkschaftsforscher Hans-Peter Müller die Einschätzung, dass mit Peters die Konflikte mit den Arbeitgebern zunehmen dürften. "Die Entscheidung ist ein klares Bekenntnis der IG Metall, sich dem Modernisierungskurs zu verweigern und auf Konflikt zu setzen", sagte Müller. Peters werde seine Nominierung auch dazu nutzen, "Krach" gegen die von der rot-grünen Regierung geplanten Sozialreformen zu schüren. ARBEITSMARKTEXPERTE: PETERS ZU MODERATEN TÖNEN IN DER LAGE

Dagegen steht nach Einschätzung des Arbeitsmarktexperten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Harmen Lehment, der künftige Kurs der IG Metall zumindest in der Tarifpolitik keinesfalls fest. Lehment erinnerte an Abschlüsse der IG Metall unter Peters' Beteiligung als Bezirkschef in Niedersachsen. So hätten die von Peters mit den Arbeitgebern 1994 im Pilotabschluss ausgehandelten maßvollen Lohnerhöhungen den Aufschwung in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre befördert. Allerdings steht Peters auch für harte Auseinandersetzungen. So wurde Ende 1996 das Vorhaben der Arbeitgeber für Änderungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch Proteste der IG Metall in Niedersachsen und andernorts gestoppt.

Peters selbst kündigte erneut massive Proteste der Gewerkschaft gegen die von der Bundesregierung geplante Herausnahme des Krankengeldes aus der gesetzlichen Krankenversicherung, die Absenkung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau und die Lockerung des Kündigungsschutzes an. "Wir müssen sehen, wie wir kurzfristig genügend Kraft mobilisieren, um wieder Einfluss auf diese Bundesregierung zu gewinnen", sagte Peters Reuters im ersten Interview nach seiner Nominierung. Peters signalisierte den Arbeitgebern Gesprächsbereitschaft, bekräftigte aber die Forderung nach einer Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit im Osten auf die im Westen geltende 35-Stunden-Woche, die von den Arbeitgebern abgelehnt wird. Seit mehreren Wochen laufen in den ostdeutschen Bundesländern Tarifgespräche über eine Verkürzung der dort noch geltenden 38-Stundenwoche, ohne dass sich eine Annäherung abzeichnet. An der Basis löste die Nominierung von Peters ein geteiltes Echo aus. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte vorab aus ihrer Donnerstagausgabe den Betriebsratsvorsitzenden des Mobilfunkanbieters Vodafone mit der Worten: "Jetzt werden wir Angestellte als Mitglieder verlieren." Eine Mehrheit der Gewerkschaft sei aber offenbar zufrieden, dass der Führungsstreit beigelegt sei.

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