Nach Piloten-Abschluss
Gewinnwarnung bei Lufthansa

Die Deutsche Lufthansa AG hat infolge der Gehaltsanhebungen für ihre Piloten und der nachlassenden Weltkonjunktur ihre Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr deutlich gesenkt.

rtr FRANKFURT. Die Airline erwarte nun noch ein operatives Ergebnis zwischen 700 bis 750 Mill. ?, nachdem bislang mit einer Milliarde Euro gerechnet worden sei, teilte der Konzern am Mittwoch in Frankfurt mit. Damit würde die Fluggesellschaft in diesem Jahr operativ mindestens ein Viertel weniger verdienen als 2000. Auch die Belastungen aus den jüngsten Piloten-Streiks und für Behinderungen im Flugverkehr hätten die bisherigen Erwartungen gedrückt. Die Aktie verlor nach der Gewinnwarnung deutlich.

Im einzelnen bezifferte die Lufthansa die Mehrkosten für den in der vergangenen Woche erzielten Tarifabschluss für ihre Piloten mit 125 Mill. ?. Hinzu kämen Belastungen aus den vorangegangenen Arbeitskampfmaßnahmen von 75 Mill. ?.

Infolge der weltweiten Konjunkturabkühlung sowie "den durch Infrastrukturmängel verursachten Einschränkungen im Luftverkehr" würden ergebnismindernde Effekte von 50 bis 100 Mill. ? erwartet, hieß es weiter. Die Lufthansa kritisiert schon seit längerem, dass es in Europa nach wie vor keine einheitliche Flugaufsicht gibt, woraus ihrer Ansicht nach ein großer Teil der Flugverspätungen resultiert, die sehr hohe Kosten nach sich ziehen können.

Die Lufthansa hatte sich in der vergangenen Woche mit der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nach zähen Verhandlungen und unter Vermittlung von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher in der Rolle des Schlichters auf einen Tarifabschluss für die rund 4200 von VC vertretenen Flugzeugführer des Konzerns geeinigt. Der Schlichterspruch sieht für 2001 Einkommenserhöhungen von zwölf Prozent sowie eine Einmalzahlung von zwei Monatsgehältern vor, was sich insgesamt auf knapp 30 % addiert. 2002 soll es eine strukturelle Anpassung von plus 2,8 % sowie eine Erhöhung entsprechend der durchschnittlichen Tarifabschlüsse in Westdeutschland geben, die den Angaben zufolge mit etwa 2,5 bis drei Prozent veranschlagt wird und auch für 2003 gilt. Darüber hinaus kann 2002 und 2003 eine leistungsbezogene Variable gezahlt werden.

Umbuchungen verursachten Kosten

Zur Durchsetzung ihrer Gehaltsforderungen hatten die Piloten mehrmals gestreikt und dabei den Lufthansa-Flugverkehr zum großen Teil lahm gelegt. Konzern-internen Berechnungen zufolge kostet ein solcher Streiktag rund 50 Mill. DM. Zu berücksichtigen seien aber auch Folgekosten wie etwa zahlreiche Umbuchungen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Mittwoch. Die Lufthansa hatte in den vergangenen Wochen bereits mehrfach davor gewarnt, dass ein zu hoher Gehaltsabschluss für die Piloten die wirtschaftliche Lage des Konzerns gefährende könnte.

Hinzu kamen Anzeichen der Konjunkturabkühlung insbesondere in den USA. So war das Frachtaufkommen bei der Lufthansa in den vergangenen Wochen bereits gesunken. Branchenkenner zeigten sich über die Reduzierung der Gewinnprognose überrascht. Christian Obst, Lufthansa-Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, kündigte an, er werde die Einstufung der Aktie des Luftfahrtkonzerns auf "underperform" von bisher "outperform" zurückstufen.

"Das ist jetzt eine recht saubere Prognose"

Wenn das Unternehmen seine Prognose für das operative Ergebnis 2001 um 25 bis 30 % reduzieren, bliebe dies nicht ohne Auswirkungen, sagte Obst. Auch Uwe Weinreich, Lufthansa-Experte bei der Bankgesellschaft Berlin, zeigte sich über die Gewinnwarnung der Gesellschaft etwas überrascht. "Die Senkung ist stärker, als ich erwartet habe", sagte Weinreich. Sie zeige, dass die konjunkturelle Abschwächung doch deutlich sei. Es sei jedoch zu begrüßen, dass die Lufthansa die Senkung jetzt vornehme. Eine weitere Korrektur erwarte er nicht. "Ich glaube, dass ist jetzt eine recht saubere Prognose."

Die Lufthansa-Aktie geriet am Mittwoch an der Börse unter Druck und notierte am Vormittag in einem festen Gesamtmarkt mit 20,47 ? 3,7 % unter ihrem Vortagesschluss. Dies bedeutete das niedrigste Niveau seit rund eineinhalb Monaten.

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