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Nach Piloten drohen auch Fluglotsen mit Warnstreiks

Nach den Piloten der Deutschen Lufthansa könnten schon bald auch die Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu Arbeitskampfmaßnahmen greifen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigte am Donnerstag in Hamburg an, dass die Vorbereitungen für Warnstreiks zur Durchsetzung der Tarifforderungen liefen.

rtr HAMBURG. "Nur ein zufrieden stellender Tarifabschluss kann Warnstreiks in der kommenden Woche noch aufhalten", hieß es in der ver.di-Mitteilung. Am Dienstag würden DFS und ver.di zu erneuten Gesprächen zusammenkommen. Bei den Verhandlungen geht es den Angaben zufolge in erster Linie um die Arbeitsbedingungen für die Lotsen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) kritisierte die Warnstreik-Drohung.

Bei den aktuellen Tarifverhandlungen für die rund 1800 in Deutschland beschäftigten Fluglotsen geht es ver.di zufolge nicht um Gehaltsanhebungen, sondern um "eine Verringerung der Arbeitsbelastung". Die Sicherheit des Luftverkehrs und die Gesundheit der Fluglotsen erforderten häufigere Pausen und eine angemessene Verkürzung der Arbeitszeit, hieß es. Verdi beziehungsweise die Fluglotsen stützen sich den Angaben zufolge bei ihrer Forderung nach geänderten Arbeitsbedingungen auf ein arbeitswissenschaftliches Gutachten, wonach das Verkehrsaufkommen der Hauptbelastungsfaktor für die Lotsen sei. Der Flugverkehr habe seit Erstellung der Studie 1998 um weitere zehn Prozent zugenommen, hieß es bei ver.di weiter.

Die DFS bezeichnete mögliche Warnstreiks der Fluglotsen als "illegal". Als Konsequenz des Gutachtens zu den Arbeitsbedingungen habe die DFS mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, bis Ende 2003 verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Belastungen für die Fluglotsen zu ergreifen, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. So solle etwa die Wochenarbeitszeit auf 33,5 bis 36 Stunden zuzüglich bezahlter Pausen von bis zu sechs Stunden pro Woche reduziert und die Gehälter je nach Standort angehoben werden. Raabs Worten zufolge wird allein die Umsetzung der Maßnahmen zu einem Mehrbedarf von 200 Fluglotsen in Deutschland führen. Die Androhung der Warnstreiks nehme die DFS "schon ernst", sagte der Sprecher weiter. Seinen Angaben nach wäre es die erste Arbeitsniederlegung in der Branche in Deutschland seit 1973, als die damals noch verbeamteten Fluglotsen in "Bummelstreiks" gegangen waren.

Ein Warnstreik der Fluglotsen wäre nicht der erste Arbeitskampf in der deutschen Luftverkehrsbranche in diesem Jahr. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) lässt derzeit ihre rund 4200 Lufthansa-Piloten über Streikmaßnahmen abstimmen. VC behält sich für die Dauer dieser Urabstimmung begrenzte Warnstreiks vor, wobei es nach Angaben der Vereinigung zu keinen Arbeitsniederlegungen während der Osterferien kommen soll. VC will mit den möglichen Arbeitskampfmaßnahmen ihre Forderung nach Vergütungsanhebungen von durchschnittlich 35 % zuzüglich einer Ergebnisbeteiligung durchsetzen, was die Lufthansa bisher vehement zurückwies. Ende März hatten die Lufthansa-Piloten bereits mit einem begrenzten Warnstreik für einige Stunden den Luftverkehr an allen großen deutschen Flughäfen lahm gelegt. Kurz zuvor war es auch schon zu befristeten Arbeitsniederlegungen des Bodenpersonals gekommen.

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