Nach Preussag Energie weitere Zukäufe in Deutschland geplant
Gaz de France pokert um VNG

Pierre Gadonneix, Chef der Gaz de France (GdF), sieht sich im Bieterwettbewerb um die Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) in einer aussichtsreichen Position. Eon und Ruhrgas müssen ihre VNG-Anteile - insgesamt 42 % - abgeben, um eine Fusionsauflage zu erfüllen. Davon sind 32 % für einen strategischen Investor reserviert - und der will GdF sein. 10 % sollen an ostdeutsche Kommunen gehen. GdF, einer der drei führenden Gasversorger in Europa, hält bereits 5,3 % der VNG-Anteile.

HANNOVER. Gadonneix sagte dem Handelsblatt: "Die Partnerschaft wäre für beide Seiten vorteilhaft." Nach der Öffnung des europäischen Gasmarktes wollen die Franzosen die VNG, das bedeutendste integrierte Gasunternehmen Ostdeutschlands, auf breiter Basis entwickeln und die Bezugsquellen von GdF stärker diversifizieren. "Unser Angebot ist attraktiv, und wir vertrauen auf ein faires Vergabeverfahren", ergänzte Gadonneix. Gute Chancen hat auch die russische Gazprom, die gemeinsam mit der BASF-Tochter Wintershall ein Angebot für VNG abgegeben hat.

In der Branche heißt es, Gazprom-Aktionär Ruhrgas und die Bundesregierung präferierten die Gazprom-Offerte, um das deutsch- russische Verhältnis zu pflegen. Angeblich wollen Eon und Ruhrgas für ihre Anteile 1 Mrd. Euro erlösen - für die Franzosen kein Problem.

GdF hat bereits für die Übernahme der deutschen Aktivitäten von Preussag Energie knapp 1 Mrd. Euro gezahlt. Wintershall-Chef Reinier Zwitserloot, der ebenfalls am Erwerb von Preussag Energie interessiert war, kritisierte, dass GdF einen um 300 Mill. Euro zu hohen Preis gezahlt habe. Gadonneix sieht das anders: "Wir haben ein vernünftiges Angebot für sofort verfügbare Gaslagerstätten vorgelegt."

Bei Zukäufen ist aus GdF-Sicht entscheidend, wie diese Unternehmen die Wertschöpfungskette - von der Gasförderung über den Weitertransport bis zu den Endabnehmern - ergänzten. Dabei verfolgen die Franzosen zwei Ziele: Der Anteil der eigenen Gasreserven soll sich von heute 10 auf mittelfristig 15 % erhöhen. Zudem wollen sie ihre Beschaffungs- und Absatzquellen diversifizieren. Preussag und VNG passten hervorragend in diese Strategie, sagt Gadonneix.

GdF schätzt die Chancen, in Deutschland stärker Fuß zu fassen, jetzt günstiger ein. Die Bundesregierung will - wie die übrigen 14 Mitglieder der EU auch - den Zugang zu den Gasnetzen in Zukunft staatlich beaufsichtigen. Eine Regulierungsbehörde soll in Deutschland die so genannte Verbändevereinbarung ersetzen, nach der sich die Unternehmen verpflichten, ihre Netze zu fairen Preisen für Wettbewerber zu öffnen. Gadonneix begrüßt diese Wende. Auch wenn der Weg richtig war, dürften in der EU keine dauerhafte Ausnahmen gemacht werden.

Gadonneix präzisierte seine Wunschliste für den Regulierer in Deutschland: Stabile Spielregeln, die gewährleisten, dass sich Investitionen langfristig lohnen, seien unerlässlich. Die staatliche Aufsicht dürfe aber nur das regulieren, was der Markt nicht selbst leisten kann. Schließlich sollten nationale Besonderheiten in die Marktzugangsregelungen eingehen. Die Regulierer müssten grenzüberschreitend kooperieren.

Ein abschreckendes Beispiel liefere die USA. Dort gebe es nicht nur Bundesstaaten mit und solche ohne Regulierer, sondern auch kurz- und langfristige Spielregeln. Folge: Investitionen unterbleiben, das Gasangebot sinkt, die Preise steigen.

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