Nach Protest der Banken
Kompromiss im Streit um Fiat-Spitze erreicht

Der Streit um die Neubesetzung der Fiat-Spitze ist beigelegt. Die Agnelli-Familie und die Gläubigerbanken des angeschlagenen Auto-Herstellers fanden einen Kompromiss.

dpa ROM. Der Verwaltungsrat des angeschlagenen Fiat-Konzerns hat Präsident Paolo Fresco in seinem Amt bestätigt. Zum Nachfolger des zurückgetretenen Vorstandschefs Gabriele Galateri wurde am Freitag der derzeitige Fiat-Generaldirektor Alessandro Barberis ernannt. Diese Lösung wurde von Experten als Kompromiss zwischen der Agnelli-Familie und den Gläubigerbanken des Unternehmens gewertet.

Umberto Agnelli, Chef der Fiat-Holdings Ifi und Ifil, hatte in den vergangenen Tagen in Absprache mit der italienischen Regierung und der Investmentbank Mediobanca einen Wechsel an der Führungsspitze des Konzerns angestrebt. Die Gläubigerbanken protestierten gegen eine solche Entscheidung und drohten, finanzielle Hilfen für den in Milliardenhöhe verschuldeten Konzern zu verweigern.

Der Protest richtete sich vor allem gegen den als Nachfolger von Galateri vorgeschlagenen Top-Manager und Ex-Montedison-Chef Enrico Bondi. Die Banken befürchteten, dass die mächtige Mediobanca, mit der Bondi enge Kontakte pflegt, durch diese Nominierung ihren Einfluss bei Fiat zu stark ausbauen könnte.

Galateri, der vor wenigen Tagen nach nur sechs Monaten von seinem Amt zurückgetreten war, hatte erklärt, die Gruppe brauche jetzt einen "Manager mit industriellen Erfahrungen". Barberis, der seit 1964 für den Fiat-Konzern arbeitet, gilt als langjähriger Industrie-Experte. Galateri hatte sich hingegen als knallharter Finanzexperte einen Namen gemacht. Er soll einer Fiat-Mitteilung zufolge auch zukünftig im Verwaltungrat aktiv bleiben.

Die Gewerkschaften forderten nach der Sitzung ein erneutes Treffen mit der Fiat-Spitze. Die Verhandlungen über den umstrittenen Sanierungsplan waren in der vergangenen Woche gescheitert. Nachdem der Konzern mit der italienischen Regierung eine Einigung über den geplanten Arbeitsplatzabbau erzielt hatte, verließen die Arbeitnehmervertreter den Verhandlungstisch. Die ersten 5600 von insgesamt über 8000 Stellenkürzungen wurden seither bereits eingeleitet. "Jetzt ist ein neues Treffen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen nötig, weil die von Fiat und Regierung unterzeichnete Vereinbarung von einer anderen Führungsspitze gemacht worden war", sagte Savino Pezzotta von der Gewerkschaft CISL. In Turin hatten am Freitag wieder hunderte Beschäftigte gegen den Arbeitsplatzabbau protestiert.

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