Nach Quartalsergebnis
Analysten erwarten Telekom-Kursverluste

Die Deutsche Telekom wird für das dritte Geschäftsquartal 2001 nach Einschätzungen von Analysten trotz Beteiligungsverkäufen erneut einen Verlust ausweisen und damit den negativen Ergebnistrend der Vorquartale beschleunigt fortsetzen.

rtr FRANKFURT. Von Reuters befragte Analysten rechnen vor allem wegen der unprofitablen Geschäfte der US-Mobilfunktochter Voicestream durchschnittlich mit einem Konzernverlust von 0,42 Mrd. ? im dritten Quartal, nach einem ausgeglichenen Ergebnis im zweiten Quartal und einem Minus von 0,35 Mrd. ? im ersten Vierteljahr. Ohne die überwiegend positiven Sondereffekte dürfte sich der Verlust auf 1,27 Mrd. ? belaufen und den seit knapp sechs Wochen aufwärts tendierenden Aktienkurs nach Expertenmeinung belasten.

Die Telekom wird am Mittwoch ihre vorläufigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal als kumulierten Neun-Monatszeitraum bekannt geben. Veröffentlicht werden voraussichtlich Umsatz, Konzernüberschuss und Kundenzahlen für die Geschäftssparten Festnetz, Mobilfunk und Internet. Endgültige Daten sollen ebenfalls als Neun-Monatszahlen am 28. November folgen.

Die Analysten rechnen beim Umsatz mit einem deutlichen Wachstum gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahreszeitpunkt auf durchschnittlich 12,78 Mrd. ?. Damit wird die Telekom voraussichtlich ihre eigene Prognose erfüllen, wonach im Gesamtjahr der Umsatz um 15 % über dem Vorjahresergebnis von 40,94 Mrd. ? liegen soll. Im Neun-Monatszeitraum werden kumulierte Umsätze der vergangenen drei Quartale von durchschnittlich 35,15 Mrd. ? erwartet. Als Umsatztreiber gelten die Mobilfunksparte und das Systemhaus-Geschäft. Über die weiteren Fortschritte bei der angestrebten Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebitda) werden erst nach der Veröffentlichung der endgültigen Zahlen Aussagen möglich sein.

Als Belastung für das Quartalsergebnis gelten den Analysten zufolge vor allem die US-Töchter VoiceStream und Powertel. "Es ist zu erwarten, dass die Verluste nahezu so hoch wie die Umsätze ausfallen werden, die wir auf 1,2 Mrd. ? schätzen", sagte WestLB-Analyst Frank Wellendorf. Auch Holger Bosse, Analyst bei der Helaba, sieht die Geschäfte von VoiceStream und Powertel tief in den roten Zahlen. "Allein im Juni wurde ein Verlust von rund 300 Mill. ? verbucht. Wenn man das auf drei Monate hochrechnet, bedeutet dies einen Verlust von rund 900 Mill. ? im dritten Quartal", sagte er.

"Absolute" Erwartungen

Die Telekom hatte sich zuletzt allerdings gegen derartige Prognosen über den im dritten Quartal bei Voicestream zu erwartenden Verlust gewandt und das Erreichen der Gewinnschwelle für einen Zeitpunkt um die Jahreswende bekräftigt. Die eigenen Erwartungen seien im Quartal "absolut" geworden, hatte es geheißen. Voicestream und Powertel waren im zweiten Quartal wegen der zum 1. Juni erfolgten Übernahme nur einen Monat in den Büchern berücksichtigt worden. Auch das profitabel arbeitende tschechische Mobilfunkunternehmens RadioMobil war nur im Juni konsolidiert worden.

Analyst Bosse erwartet grundsätzlich "nichts positives von den Unternehmensdaten". Die jüngsten Zahlen könnten sich sogar negativ auf den Aktienkurs auswirken. Auch die West-LB geht von Kursverlusten in Folge schwacher Quartalsergebnisse aus, da diese schlechter als die Markterwartungen seien. Die Bewertung der Telekom-Aktien sei auf Underperform von zuvor Neutral zurückgenommen worden, da die Quartalsergebnisse negative Überraschungen enthielten, teilte die Bank am Freitag mit. Die Telekom könne nur auf Grund positiver Sondereffekte einen positiven Konzernüberschuss im Quartal und für den Neun-Monatszeitraum ausweisen, sagte Analyst Wellendorf.

Als positiv auf das Konzernergebnis durchschlagende Sondereffekte hat die Deutsche Telekom eigenen Angaben zufolge den mehrheitlichen Verkauf des Kabelnetzes in Baden-Württemberg mit einen Kaufpreis von rund 900 Mill. ? in bar plus Wertpapiere sowie den Verkaufserlös der Anteile an dem US-Mobilfunkunternehmen Sprint PCS in Höhe von 1,6 Mrd. ? verzeichnet. Daraus könnte sich Analysten zufolge ein positiver Ergebniseffekt in Höhe von zusammen 1,6 Mrd. ? ergeben. Aus dem jüngsten Verkauf eines Immobilien-Pakets für 1,1 Mrd. ? werden im Quartal nach Telekom - und Analystenerwartungen noch keine Sondereinnahmen verbucht, die zum Abbau der sich zuletzt auf 68,8 Mrd. ? summierenden Netto-Verschuldung genutzt werden sollen.

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