Nach Rückzug von Reichhold
Haider kehrt in Bundespolitik zurück

Der umstrittene österreichische Rechtspopulist kandidiert bei den Wahlen für das Parlament in Wien. Auch als FPÖ-Chef ist er wieder im Gespräch.

dpa WIEN. Der Kärntener Landeshauptmann (Ministerpräsident) Jörg Haider kehrt in die österreichische Bundespolitik zurück. Nur wenige Stunden nach dem überraschenden Rückzug des kurzzeitigen Vorsitzenden der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Mathias Reichhold, kündigte die FPÖ am Donnerstagabend die Kandidatur des umstrittenen Politikers bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 24. November an. Wichtige Teile der FPÖ haben inzwischen Haider gebeten, wieder als Parteichef die Zügel in die Hand zu nehmen.

Der 45-jährige Reichhold hatte nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus wegen Herzrhythmusstörungen am Donnerstag seinen Verzicht sowohl auf den FPÖ-Vorsitz als auch auf die Spitzenkandidatur bei den Wahlen in drei Wochen bekannt gegeben. Die Entscheidung fiel völlig überraschend nach nur sechs Wochen an der FPÖ-Spitze. Nachfolger Reichholds auf beiden Positionen wurde Sozialminister Herbert Haupt (54), einer der engsten politischen Freunde Haiders.

Haupt will nach eigenen Angaben bei dem bevorstehenden Urnengang zwischen 15 und 20 % der Stimmen erzielen. Meinungsforscher sehen die FPÖ dagegen einhellig nur noch bei rund 13 %. Bei den Wahlen vor drei Jahren hatte sie noch knapp 27 % erreicht und war erstmals zur zweitstärksten politischen Kraft im Land aufgerückt. Der unangefochtene Vater dieses Aufstiegs war Haider, der die Parteiführung 1986 übernommen hatte, als die FPÖ weniger als fünf Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Haider hatte die FPÖ erstmals in die Regierung geführt, den Parteivorsitz dann jedoch an sein politisches Ziehkind Susanne Riess- Passer abgegeben. Im Sommer verlor Haider den innerparteilichen Machtkampf mit seiner Nachfolgerin und Vizekanzlerin. Riess-Passer schied dann aber gemeinsam mit dem ebenfalls aus der FPÖ stammenden Finanzminister Karl-Heinz Grasser aus dem Schüssel-Kabinett aus. Danach einigten sich alle Parteien auf vorgezogene Parlamentswahlen.

Aber auch Haider hatte sich aus der Bundespolitik verabschiedet. Reichhold, der sich als Anhänger von Riess-Passer bezeichnet hatte, war daraufhin an die Spitze der FPÖ gerückt. Bis zuletzt hatte der jetzt abgetretene Politiker alles versucht, um Haider aus der Bundespolitik herauszuhalten. Zeitungskommentatoren wiesen am Freitag in Wien darauf hin, dass Reichhold nicht nur wegen seiner Erkrankung, sondern auch an der mangelnden Unterstützung des Haider- Lagers gescheitert sei.

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