Nach russischer Niederlage gegen Japan
Mindestens ein Toter bei Unruhen

Die schweren Krawalle in Moskau nach der Niederlage gegen Co-Gastgeber Japan haben mindestens ein Todesopfer gefordert. Verärgerte Fans hatten Fahrzeuge angezündet und Polizisten attackiert, 71 Menschen wurden verletzt, 113 Randalierer festgenommen.

dpa MOSKAU. Schwere Unruhen in Moskau nach der Niederlage der russischen Fußball-Nationalmannschaft gegen WM-Gastgeber Japan (0:1) haben mindestens ein Menschenleben gefordert. Erste Berichte der Moskauer Polizei über einen Beamten, der am frühen Montagmorgen an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben sei, wurden im Laufe des Tages vom Innenministerium dementiert. Schon am Sonntag war ein 20-Jähriger bei einem Handgemenge in der Innenstadt erstochen worden.

Die Zahl der Schwerverletzten der Unruhen im Zentrum Moskaus wurde mit 71 angegeben, unter ihnen 16 Polizisten. 113 Randalierer, unter ihnen zahlreiche Skinheads, waren festgenommen worden. Die Innenstadt glich am Montag einem Schlachtfeld, die Presse schrieb von einem "Fußball-Pogrom".

Der Fußball-Weltverband FIFA nahm die schweren Ausschreitungen in Moskau mit Besorgnis zur Kenntnis. "Wir bedauern diese Vorfälle sehr", erklärte FIFA-Mediendirektor Keith Cooper am Montag in Seoul. "Nach unseren Informationen war Alkohol im Spiel. Die FIFA distanziert sich total von so einem Geschehen", sagte Cooper.

Mehrere Tausend Fans, die das Spiel am Sonntag auf einer riesigen Leinwand auf dem Manege-Platz neben dem Kreml verfolgt hatten, schwärmten bereits nach dem Führungstor der Japaner aus und sorgten für schwere Unruhen. Meist angetrunkene Jugendliche warfen geparkte Fahrzeuge um und steckten sie in Brand. Zudem wurden zahlreiche Schaufenster zerstört. Auch ein japanisches Restaurant in der Innenstadt wurde verwüstet. Die Polizei ging schließlich mit Schlagstöcken auf die tobenden Fußball-Fans los.

Über dem Zentrum Moskaus schwebten während der Unruhen dichte Rauchwolken von brennenden Autos. Nach Angaben der Polizei brannten sieben Fahrzeuge aus, mindestens 100 Autos wurden schwer beschädigt. Unter den Verletzten waren nach diesen Angaben auch ein Fotograf der Agentur EPA sowie Mitarbeiter des russischen Fernsehsenders RTR.

Mit einem massiven Aufgebot brachte die Polizei die Lage erst am Abend unter Kontrolle. Wegen des "unzivilisierten Verhaltens von angeblichen Fußballfans ohne Kultur" ließ die Stadtverwaltung alle Großbildschirme und Leinwände in Moskau abmontieren.

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