Nach schlechten Erfahrungen mit WAP
Die Anwendungen für UMTS liegen erstmal auf Eis

Das Interesse an Anwendungen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS geht bei potenziellen Anbietern von Datendiensten in Deutschland derzeit gegen Null. Das abnehmende Interesse an der Mobilfunktechnik, die durch höhere Datenübertragungsraten Internet-Multimediaanwendungen per Handy ermöglichen soll, hat gleich mehrere Gründe.

FRANKFURT/M. Zum einen dauert der Aufbau der Netze und die Entwicklung der Handys länger als angekündigt. Noch schwerwiegender ist für Inhalteanbieter und Investoren jedoch die ernüchternden Erfahrung mit dem Datenprotokoll WAP, das durch mangelnde Geschwindigkeit und Instabilität viele Nutzer des mobilen Internets für lange Zeit verprellt hat.

"Wir arbeiten derzeit noch nicht an Anwendungen für den UMTS-Standard", heißt es beispielsweise bei der Deutschen Bank. Man sei zwar überzeugt, dass die Technologie kommen werde. Doch sei nicht absehbar "ob und in welcher Form" die mobilen Dienste von den Kunden nachgefragt werden, äußert sich ein Sprecher zurückhaltend. "Wir sehen im Moment weder eine der großen Airlines noch ein Hotelkette, die Dienste für das mobile Breitbandinternet anbieten will", sagt auch Gunnar Scheffler, der beim IT-Dienstleister EDS den Geschäftsbereich Kundenbeziehungen verantwortet. "Wir sind deshalb sehr vorsichtig was die Marktreife für mobile Anwendungen angeht."

Noch nicht einmal die Telekommunikationsunternehmen selbst hätten derzeit offensichtlich konkrete Vorstellungen welche Dienste Unternehmen für Endkunden (B2C) anbieten könnten. Der Anbieter von Online-Finanzinformationen Onvista könnte zwar "sofort loslegen", versichert Vorstandsmitglied Michael Schwetje. "Doch selbst wenn die Inhalte im Gegensatz zum stationären Internet von Anfang an kostenpflichtig wären, würde es sicherlich viele Jahre dauern, bis das einen relevanten Anteil an den Umsätzen ausmachen würde."

Große Hoffnungen setzen die künftigen Netzbetreiber deshalb auf den Bereich der Anwendungen innerhalb von Unternehmen (Business to Business, Business to Employees). "Das Interesse an mobilen Anwendungen für Mitarbeiter ist vorhanden", bestätigt Martin Schwittay, der bei der Multimediaagentur GFT den Bereich "Mobilen Anwendungen" verantwortet . "Doch viele Anforderungen von Unternehmenskunden lassen sich bereits heute über SMS-Dienste mit dem bestehenden GSM-Mobilfunknetzes realisieren." Auch beim Softwarekonzern SAP will man zwar "alles entwickeln was der Kunde verlangt". Doch hinter vorgehaltener Hand räumen SAP-Experten ein, dass sich das Interesse der Kundschaft an spezifischen UMTS-Anwendungen in Grenzen hält.

Selbst bei Technologie-Pionieren für mobile Anwendungen wie dem US-Unternehmen Symbol, dass Handscanner und mobile Lösungen für Logistikunternehmen entwickelt "sind die Anwendungen für UMTS noch nicht über das Forschungsstadium hinausgekommen", sagt eine Sprecherin. Auch im nächsten Jahr werde sich die Entwicklung auf die "Mobilfunkstandards GSM und GPRS" beschränken.

Einig sind sich die Experten, dass es länger als die prognostizierten drei bis vier Jahre dauern wird, bis sich ein Massenmarkt für UMTS-Anwendungen entwickeln wird. Die meisten Schätzungen gehen von einem Zeitpunkt nicht vor dem Jahr 2008 aus. "Die Achillesferse sind die hohen Mobilfunkrechnungen von 150 DM pro Monat, die die Mobilfunkanbieter erzielen müssen, um überhaupt rentabel werden zu können", sagt Wilhelm Alers Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatung Mummert + Partner. Diese Umsätze seien bei Geschäftsleuten möglich - Privatkunden würden länger am GPRS-Standard festhalten.

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