Nach schlechten US-Vorgaben notiert der Deutsche Aktienindex im Minus
Dax geht erneut kräftig in die Knie

Die nervöse Stimmung an der Deutschen Börse scheint vorerst kein Ende zu finden. Investoren geben sich weiterhin zurückhaltend. Händler sprachen gestern von sehr bescheidenen Umsätzen.

FRANKFURT/M. Wer am Montag den Eindruck hatte, als lichteten sich die Wolken am düsteren Börsenhimmel, der wurde am Dienstag schon wieder enttäuscht. Die Stimmung an den Handelsplätzen war schlecht. Wieder einmal überwogen die negativen Nachrichten und setzten den Deutschen Aktienindex (DAX), der zum Handelsschluss mit 5 663 Punkten um 2,22 % im Minus lag, unter Druck. Der schwedisch-schweizerische Technologiekonzern ABB hatte bekannt gegeben, 12 000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Selbst die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen des Internet-Buchhändlers Amazon wurden mit wenig Begeisterung aufgenommen. "In der augenblicklichen Stimmung werden auch gute Ergebnisse als schlecht interpretiert", sagte ein Händler. Auch die Wall Street eröffnete im Minus und lieferte keine positiven Impulse.

Bei geringen Umsätzen konzentrierten sich Anleger deshalb vorwiegend auf konservative Werte. Die kurze Liste der Gewinner führte der Medizintechnikhersteller Fresenius Medical Care an. Nachdem die Analysten von Goldman Sachs die Aktie auf ihre Empfehlungsliste genommen haben, zog der Wert zeitweilig um mehr als 3 % an. Zum Schluss betrug das Plus nur noch 1,5 %. Eine positive Tendenz wiesen auch Henkel und Schering auf.

Die restlichen 27 Dax-Werte verzeichneten Kurseinbußen. Am härtesten traf es erneut die Aktie des Finanzdienstleisters MLP. Nachdem das Papier bereits am Montag kräftig nachgegeben hatte, verlor der Wert 11,1 % auf 87,30 Euro. "Ich wundere mich ein bisschen", sagte ein Händler an der Frankfurter Börse: "Im MDax konnten wir MLP gar nicht hoch genug heben und jetzt geht?s nur noch bergab." Als Grund für den anhaltenden Sinkflug bei MLP sehen Händler vor allem den Ausstieg spekulativer Anleger.

"Die Indextracker - Fonds, die den Index abbilden und deshalb die Aktien neuer Teilnehmer kaufen müssen - sind schon vor der Aufnahme in den Dax in den Wert eingestiegen", sagte ein Händler: "Da war für spekulative Anleger keine große Kurssteigerung mehr drin."

Neben MLP musste auch das Indexschwergewicht Siemens empfindliche Abschläge hinnehmen. Hier waren nach Händlerangaben die schwachen Quartalszahlen des amerikanischen Netzwerkausrüsters Lucent Technologies für den Abschwung mit verantwortlich. Am Mittwoch gibt Siemens Quartalszahlen bekannt; auch hier rechnen Händler eher mit einer negativen als mit einer positiven Überraschung. Zum Handelsende lag die Aktie mit 7,1 % im Minus. Unter dem Einfluss des nach wie vor angespannten Technologiemarktes verlor auch die Siemens-Tochter Epcos um 2,3 %.

Negative Vorzeichen gab es auch beim Softwareriesen SAP. An den Handelsplätzen waren Gerüchte laut geworden, wonach der Konzern seine vergangene Woche präsentierten Ergebnisse nachträglich nach unten korrigieren muss. Am Wochenende hatte das Unternehmen eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben, als am Donnerstag verkündet worden war. Jetzt ermittelt nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel gegen den Konzern. Die Titel verbilligten sich um 3,1 %.

Neue Aufschlüsse über die zu erwartende Konjunkturentwicklung in den USA versprachen sich die Börsianer von US-Notenbankchef Alan Greenspan, der gestern am späten Nachmittag vor dem Bankausschuss des amerikanischen Senats redete. Doch der oberste Notenbanker wiederholte lediglich seine Rede, die er bereits vergangene Woche vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses gehalten hatte. Er stellte nochmals einen weiteren Zinsschritt der Federal Reserve in Aussicht, falls die derzeitige konjunkturelle Lage anhalten sollte.

An den Regionalbörsen gab es gestern ein durchwachsenes Bild. Während sich die Börse in München gut behaupten konnte, präsentierten sich die Börsen in Stuttgart und Bremen schwächer. Keine einheitliche Tendenz zeigten die Handelsplätze in Düsseldorf, Hamburg und Berlin.

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