Nach schwachem Start in den Tag
Nachfrage nach Tech-Aktien treibt US-Börsen an

Nach einem trüben Vormittag lachte am New Yorker Nachmittag wieder die Sonne, und das schien sich auch auf den Handel an der Wall Street auszuwirken. Nach verheerenden Wirtschaftsdaten am Morgen stürzten die wichtsen US-Indizes ins Bodenlose - am Mittag fingen sie sich dann wieder und in den letzten beiden Handelsstunden lieferten sich die Händler wieder eine Rally durch alle Sektoren.

wsc NEW YORK. Der Dow Jones beendete den Tag schließlich mit einem Plus von 116 Punkten oder 1,3 Prozent bei einem Stand von 9462, dem höchsten seit den Attacken des 11. September. Der technologie-orientierte Nasdaq Index legte 44 Punkte und damit 2,5 Prozent an Wert zu. Das Barometer der Wachstumswerte ging bei einem Stand von 1775 Punkten aus dem Handel.

Im frühen Handel hatten neue Wirtschaftsdaten auf die Kurse gedrückt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in der vergangenen Woche zwar nur leicht gestiegen, haben aber mittlerweile den höchsten Stand seit fast 18 Jahren erreicht. Die Auftragseingänge langlebiger Güter sind im September um 8,5 Prozent gefallen. Das ist der größte Rückgang seit rund fünf Jahren und deutlich mehr als die Analysten erwartet hatten. Neue Anthrax Fälle und die Nachricht, dass eine Linie der New Yorker U-Bahn wegen Anthrax-Alarms vorrübergehend stillgelegt wurde, gaben dem Handel nicht eben Kraft.

Gegen Mittag machten dann auf dem New Yorker Börsenparkett vor allem zwei Meinungen die Runde. Zum einen hielten Analysten die Reaktion der Händler auf die Wirtschaftsdaten für überzogen und den Markt für überverkauft. Zum anderen erwarten Anleger angesichts der miserablen Zahlen aus dem ökonomischen Umfeld eine weitere Senkung der Leitzinsen, wenn die Notenbank Fed in knapp zwei Wochen zu ihrer Novembersitzung zusammentritt. Bereits am Mittwoch hatte der Präsident der Dallas Fed, Robert McTeer, entsprechende Andeutungen gemacht.

Die Investoren kamen also wieder und am Ende sah es für fast alle Bereich wieder ganz gut aus. Selbst New York-Besucher Bill Gates durfte zuletzt wieder lachen. Die Microsoft -Aktie hatte am Morgen bis zu zwei Prozent an Wert verloren, obwohl - oder gerade weil - der Softwaregigant aus Seattle tagsüber sein Betriebssystem Windows XP vorstellte. Am Morgen hatten kritische Stimmen überwogen. So müsse sich jeder dritte PC-Besitzer einen neuen Computer kaufen, um alle Applikationen der neuen Software überhaupt nutzen zu können, hieß es. Am Vormittag hatten Analysten darin ein Absatzproblem gesehen, am Nachmittag plötzlich eine Riesenchance für die PC-Hersteller. Die Papiere von Microsoft legten bis Handelsschluss 1,8 Prozent zu, Compaq, Dell , Hewlett-Packard und Gateway schlossen ebenfalls im grünen Terrain.

Der Dow Jones, der am Morgen unter Verlusten ausnahmslos aller Werte zu leiden hatte, bekam im Laufe des Tages Unterstützung von der Citigroup und IBM , die bei hohem Volumen gute Gewinne machten. Big Blue IBM war bereits in den vergangenen Tagen eifrig geklettert und konnte auch am Donnerstag fast zwei Prozent zulegen. Mit 110,66 Dollar notiert die Aktie auf einem Sechs-Monats-Hoch.

Verluste musste der Chemiekonzern Dow Chemical einstecken. Das Unternehmen hat zwar die Prognosen für das dritte Quartal erfüllt, die Aussichten für Q4 allerdings gesenkt. Die schwächere Nachfrage nach Plastik und Chemikalien werden als Gründe angeführt. Die Aktie verliert ein halbes Prozent.

Gut behauptet schloss hingegen das Papier der American International Group . Die Versicherungsgruppe musste im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um 81 Prozent gegenüber dem Vorjahr verschmerzen. Die Aktie war zunächst rapide gefallen, profitierte dann aber von der allgemein bullishen Stimmung und rettete sich ins grüne Terrain.

Erneut zu den großen Gewinnern gehörten die Öl- und Energiewerte. Selbst die Papiere von Enron , einem der größten Gas-Unternehmen der USA, konnten sich stabilisieren nachdem das Management bekannt gegeben hatte, sich von dem umstrittenen Finanzchef Andrew Fastow zu trennen. Die Börsenaufsicht SEC untersucht Partnerschaften, die Enron bis zu 35 Mill. Dollar gekostet haben sollen.

An der Nasdaq stand erneut das Software-Unternehmen Oracle unter Druck. Der Wert verliert fast fünf Prozent, nachdem die Experten von Salomon Smith Barney dem Unternehmen in der Zukunft ein schwieriges Umfeld prognostizieren. Sie glauben, dass vor allem Big Blue IBM immer mehr Marktanteile im Bereich Software gewinne, was direkt zu Lasten von Oracle gehen könnte.

Eine Kletterpartie unternahm am Donnerstag auch der Biotech-Sektor. Merrill Lynch hatte zahlreiche Titel der Sparte aufgewertet. Der Sektor legte etwa sechs Prozent an Wert zu. Mehr als fünf Prozent legten auch die Titel der Halbleiter im Branchenmittel zu. Die Chip- und Netzwerktitel sowie die Aktien der Softwarebranche gewannen etwa drei Prozent, obwohl am Abend noch Quartalsmeldungen einiger Unternehmen wie JDS Uniphase , VeriSign und SBC Communications ausstanden.

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