Nach Selbstmordanschlag
Gewaltspirale in Nahost dreht sich weiter

Trotz anhaltender diplomatischer Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahen Osten ist es am Donnerstag erneut zu Gewalttaten mit mehreren Toten gekommen.

Reuters NABLUS. Israelische Soldaten töteten bei Operationen im Westjordanland nach palästinensischen Angaben sechs Palästinenser, darunter mehrere Polizeibeamte. Im Flüchtlingslager Balata bei Nablus wurde ein israelischer Soldat erschossen, wie die Armee mitteilte. Am Mittwochabend waren bei einem Anschlag einer palästinensischen Selbstmord-Attentäterin drei israelische Soldaten verletzt worden. Der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, schloss seine Beratungen über die saudiarabische Friedensinitiative in Dscheddah ab und reiste nach Ägypten weiter. Der saudiarabische UNO-Botschafter kritisierte in New York das Vorgehen Israels mit scharfen Worten.

Wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, waren unter den Opfern fünf Polizeibeamte. Drei Beamte seien bei einem israelischen Angriff auf einen Kontrollpunkt im Norden der Stadt Dschenin getötet worden. Zwei weitere Beamte, die zur Bewachung eines Fernsehturms eingesetzt waren, seien bei einem anderen Angriff ums Leben gekommen. Im Lager Balata erschossen Krankenhausangaben zufolge israelische Soldaten einen bewaffneten Palästinenser.

Bei den Kämpfen in Balata wurden auch ein israelischer Soldat getötet und zwei weitere verletzt, wie die Armee mitteilte. Sie bestätigte heftige Gefechte bei ihren Aktionen in den Flüchtlingslagern in Balata und Dschenin. Die Lager seien "Stützpunkte der terroristischen Infrastruktur, die für den Mord an Dutzenden Israelis verantwortlich ist", erklärte die Armee. Israelische Panzer rückten nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte in Teile der Stadt Dschenin ein.

Wenige Stunden zuvor waren bei dem Selbstmord-Attentat einer Palästinenserin nahe der israelischen Ortschaft Modi'in drei israelische Polizeibeamte verletzt worden. Über das Schicksal der beiden sie in ihrem Auto begleitenden Palästinenser herrschte zunächst Unklarheit. Während der israelische Rundfunk berichtete, die beiden seien ebenfalls getötet worden, teilte die Polizei mit, die Männer befänden sich in kritischem Zustand.

Heftige saudi-arabische Kritik an Israel

Der Uno-Botschafter Saudi-Arabiens, Fausi bin Abdul Madschid Schobokschi, richtete schwere Vorwürfe an Israel. In einer Rede vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) sagte er, Israel begehe an den Palästinensern, die seit 17 Monaten für einen eigenen Staat kämpfen, durch seine militärischen Reaktionen die "schwersten Formen des Unrechts und des Rassismus in der Geschichte der Menschheit". Der israelische Uno-Botschafter, Aaron Jakob, äußerte sich enttäuscht über die Rede.

Die Friedensinitiative des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah wird nach Darstellung des EU-Koordinators Solana nicht nur von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat sondern auch vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon begrüßt. Solana hatte mit beiden Politikern während seiner Nahost-Reise gesprochen, die ihn am Donnerstag nach Kairo führte.

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