Nach Selbstmordanschlag in Haifa: Zwölf Palästinenser im Gazastreifen getötet

Nach Selbstmordanschlag in Haifa
Zwölf Palästinenser im Gazastreifen getötet

Wenige Stunden nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag mit mindestens 16 Toten in Haifa haben israelische Soldaten in der Nacht zum Donnerstag im Gazastreifen mindestens zwölf Palästinenser getötet.

HB/dpa GAZA/JERUSALEM. Mehr als 150 Menschen wurden nach Augenzeugenberichten beim Beschuss eines Hauses im Flüchtlingslager Dschabalia durch israelische Panzer zum Teil schwer verletzt. Ein Armeesprecher bestritt, dass die Operation im Flüchtlingslager Dschabalia eine Vergeltung für den Anschlag von Haifa war. Bei der Armeeaktion wurden ein Fotograf und ein Kameramann einer internationalen Nachrichtenagentur verletzt.

Die israelische Regierung verhängte nach dem Selbstmordanschlag von Haifa noch am Mittwochabend eine vollständige Sperrung des Westjordanlandes. Der Attentäter, ein junger Student, war aus der Stadt Hebron im Süden des Gebietes gekommen. Außerdem entschied das Kabinett der Armee für weitere Aktionen gegen die Palästinenser, mit denen Israel "die Infrastruktur des Terrors" palästinensischer Extremisten zerstören will.

Auf noch härtere Vergeltungsmaßnahmen habe die Regierung Scharon mit Rücksicht auf die US-Regierung wenige Tage vor dem möglichen Beginn eines Kriegs gegen den Irak verzichtet, hieß es in Jerusalem. Die Regierung Scharon wird außerdem eine Versammlung des Zentralrates der PLO von Palästinenserführer Jassir Arafat am Samstag in Ramallah stattfinden lassen, auf der die Delegierten über die Institution eines palästinensischen Ministerpräsidenten entscheiden sollen.

Dutzende von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen waren in der Nacht zum Donnerstag in Dschabalia eingerückt, wo mehr als 100 000 palästinensische Flüchtlinge leben. Es kam zu heftigen Gefechten zwischen Soldaten und Palästinensern, in deren Verlauf zunächst drei Palästinenser getötet wurden. Acht weitere Personen, darunter eine Frau und ein Kind, wurden nach palästinensischen Augenzeugenberichten getötet, als Soldaten von einem Panzer aus mindestens zwei Granaten in eine Gruppe von Menschen schoss, die versuchten, Möbel aus einem von Soldaten gesprengten Haus zu bergen. Ein schwer verletzter Palästinenser starb später in einem Krankenhaus. Zwei der Getöteten seien bewaffnet gewesen. Ein Armeesprecher bestritt dies auf Anfrage. Er erklärte, vermutlich seien die Palästinenser bei der Explosion einer Bombe in einem Haus getötet worden.

In Bethlehem töteten Soldaten am Morgen ein Mitglied der extremistischen Organisation Islamischer Dschihad. Nach Zusammenstößen militanter Palästinenser mit Soldaten sei der Mann zunächst geflohen und anschließend bei einer Schießerei ums Leben gekommen, hieß es.

Bei dem Selbstmordanschlag von Haifa waren am Mittwoch 15 Israelis getötet worden, darunter zwei arabische Israelis. Die meisten Opfer waren Teenager. Etwa 50 Menschen waren bei der Explosion in einem Linienbus in der Hafenstadt zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Vor dem Attentat hatten israelische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben allein im Februar mehr als 50 Anschläge von Palästinensern verhindert und 44 potenzielle Selbstmordattentäter festgenommen.

Oppositionsführer Amram Mizna forderte die Regierung auf, den Aufbau eines Grenzzaunes zum Westjordanland zu beschleunigen, um künftige Anschläge zu verhindern. Israel müsse "die Illusion aufgeben", dauerhaft in den Palästinensergebieten bleiben "und das Leben von Millionen Palästinensern kontrollieren zu können".

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