Nach Selbstmordanschlag in Nordisrael
US-Vermittler Zinni hält trotz Gewalt an Mission fest

Trotz der jüngsten Eskalation der Gewalt im Nahen Osten will US-Vermittler Anthony Zinni seine Bemühungen um eine Wiederbelebung des Friedensprozesses fortsetzen. Er werde so lange in der Region bleiben, wie zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen nötig sei, sagte der General am Freitag in Jerusalem.

ap JERUSALEM. Am Donnerstagabend waren bei einem Selbstmordanschlag in einem Bus in Nordisrael drei Israelis und der palästinensische Attentäter ums Leben gekommen. Zuvor waren im Westjordanland zwei israelische Soldaten und ein Palästinenser erschossen worden.

Zinni sagte, die Anschläge richteten sich gegen seine Mission. Die Gewalt werde ihn aber nicht von seinen Bemühungen abbringen, eine Waffenruhe zu vermitteln und Friedensgespräche anzuregen, betonte er. Die Explosion in dem Bus ereignete sich auf einer Schnellstraße in der Nähe eines Militärstützpunktes im Norden Israels. Insgesamt vier Menschen wurden in den Tod gerissen, sechs weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Zinni, der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und die palästinensische Autonomiebehörde verurteilten die Tat, zu der sich die Untergrundorganisation Islamischer Dschihad bekannte.

Scharon machte den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat direkt für die jüngsten Anschläge verantwortlich. Israel werde keine Gespräche aufnehmen, bis Arafat den Terror bekämpfe und Ruhe herrsche, sagte Scharon vor seinem Flug in die USA.

Arafats Kabinett verurteilte die Terroranschläge gegen Zivilisten auf beiden Seiten und versprach, gegen die Gewalt einzuschreiten. Nach dem Anschlag zogen in dem palästinensischen Flüchtlingslager bei Dschenin etwa 3000 Menschen durch die Straßen und feierten die Tat. Die neue Intifada forderte seit dem 28. September 2000 auf palästinensischer Seite 777 und auf israelischer Seite 205 Menschenleben.

Zinni erörterte am Donnerstagabend mit palästinensischen Unterhändlern in Ramallah einen Zeitplan für die Umsetzung einer Feuerpause. Scharon bekräftigte jedoch seine Forderung nach einer siebentägigen Ruhe, bevor weitere Schritte umgesetzt werden könnten.

Menschenrechtler werfen Autonomiebehörde Folter vor

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der Autonomiebehörde unterdessen Folter vor. Laut einem 50-seitigen Bericht der Gruppe werden derzeit schätzungsweise 450 Palästinenser ohne Prozess in Gefängnissen festgehalten, zumeist unter dem Vorwurf der Kollaboration mit Israel. Nach Angaben des palästinensischen Menschenrechtlers Bassem Eid starben seit September 2000 fünf Menschen in der Haft, mindestens drei von ihnen an den Folgen von Folter. Ein Vertreter von Human Rights Watch, Joe Stork, sagte, die meisten Folterpraktiken seien von Israel übernommen, wo viele palästinensische Sicherheitskräfte inhaftiert worden seien.

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