Nach Selbstmordanschlag
Israels Armee stürmt Arafats Amtssitz

Nach dem Selbstmordanschlag eines Palästinensers in Tel Aviv hat Israels Armee den Amtssitz von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah gestürmt und einen neuen Truppenvorstoß im Gaza-Streifen unternommen.

Reuters RAMALLAH. Israel teilte am Freitag mit, die Truppen seien in der Nacht auf das Gelände in Ramallah im Westjordanland vorgedrungen, um Arafat zu isolieren. Zudem sollten 20 gesuchte militante Palästinenser zur Aufgabe gezwungen werden. Aus dem Umfeld Arafats verlautete, der Präsident sei unversehrt. Zwei seiner Leibwächter seien verletzt. Die radikale islamische Hamas bekannte sich unterdessen zu dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv, bei dem der Attentäter am Donnerstag fünf Menschen getötet hatte.

Nach palästinensischen Angaben nahmen die Soldaten den Amtssitz Arafats von Panzern aus mit Maschinengewehren unter Beschuss. Israelischer Darstellung zufolge erwiderten die Soldaten lediglich palästinensisches Feuer. Zehn Bauten und Wohnmobile auf dem Gelände seien bei der Armeeaktion zerstört worden. Acht Palästinenser, die sich im Amtssitz Arafats aufgehalten hatten, ergaben sich der israelischen Armee. Sie seien mit verbundenen Augen und gefesselt abgeführt worden, berichteten Augenzeugen. Aus israelischen Militärkreisen verlautete allerdings, sie gehörten nicht alle zu dem Personenkreis der von Israel gesuchten Palästinenser. Die Operation sei deshalb noch nicht abgeschlossen. Israel fahndet unter anderen nach dem palästinensischen Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tiraui.

Wegen des israelischen Vorstoßes forderte die Palästinenser-Regierung den UNO-Sicherheitsrat auf, einzuschreiten und Beobachter nach Ramallah zu entsenden. Ende vergangenen Jahres hatte Israels Armee erstmals Arafats Amtssitz belagert. Der Palästinenser-Präsident hat Ramallah seither nur sporadisch verlassen. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, das Kabinett habe auf einer Krisensitzung am Donnerstag keine Entscheidung darüber getroffen, ob Arafat ins Exil geschickt werden solle. Israel wirft Arafat vor, nicht gegen Extremisten im eigenen Lager durchzugreifen.

Unterstützt von Kampfhubschraubern stießen unterdessen im nördlichen Gaza-Streifen Dutzende israelische Panzer Augenzeugen zufolge rund vier Kilometer weit auf das von den Palästinensern verwaltete Gebiet vor - so weit wie noch nie seit Beginn des Aufstands der Palästinenser vor zwei Jahren. Die Haupt-Zufahrten von Gaza-Stadt seien von Palästinensern vermint worden. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, drei Soldaten seien verwundet worden, als ihr Panzer über eine solche Sperrmine gefahren sei. Bei israelischem Beschuss kamen nach Angaben von Krankenhausärzten zwei Palästinenser ums Leben.

Das israelische Militär teilte mit, bei der Armeeoperation seien sieben Gebäude zerstört worden, in denen Waffen produziert worden seien. Zudem sei ein Sprengstofflabor ausgehoben worden. Die Armee hatte die Vorstöße im Gazastreifen jüngst nach Granatenangriffen palästinensischer Extremisten auf jüdische Siedlungen forciert.

Die Kassam-Brigaden, ein militanter Ableger der Hamas, bekannten sich zu dem Selbstmordanschlag in einem Bus in Tel Aviv. Die Operation sei Teil einer Anschlagsserie, mit der der Tod des Hamas Spitzenfunktionärs Salah Schehada gerächt werden solle. Schehada war am 23. Juli bei einem israelischen Luftangriff in Gaza getötet worden. Hamas bestreitet das Existenzrecht Israels und hat bereits in der Vergangenheit mehrfach Selbstmordanschläge in Israel verübt.

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