Nach Senkung der Gewinnprognose
Qiagen nach Gewinnwarnung massiv unter Druck

Mit massiven Kursverlusten hat die Börse auf eine Gewinnwarnung der Qiagen NV, Venlo, für das Geschäftsjahr 2002 reagiert. Die Aktie des im Nemax-50 notierten Biotechnologie-Unternehmens brach am Mittwoch um mehr als ein Drittel ein.

vwd DÜSSELDORF. Zuvor hatte das Unternehmen die Prognose für den Gewinn je Aktie auf 0,23 $ von 0,38 $ reduziert worden war. Im vergangenen Jahr hatte Qiagen 0,25 (0,18) $ je Aktie verdient. Als Ursache wurden erhebliche Kürzungen der Forschungsausgaben von Pharmaunternehmen in den USA genannt. Analysten waren sich darin einig, dass Qiagens Probleme nur vorübergehend und nicht selbstverschuldet seien.

Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) reduzierte Qiagen ihre Erwartung für 2002 auf 56 Mio bis 58 Mio von 88 Mio $. Im vergangenen Jahr betrug dieser Wert 53,5 Mio $. Die Umsatzschätzung liegt jetzt bei rund 300 Mio statt 345 Mio $, im Vorjahr waren es 263,8 Mio $. "Wir wachsen immer noch zwei bis drei Mal stärker als jedes andere Unternehmen in diesem Segment", sagte eine Sprecherin. Im Hauptgeschäftsfeld Consumables wachse Qiagen noch immer um über 20 Prozent pro Jahr. Personaleinsparungen schloss die Sprecherin aus: "Wir brauchen unsere Mitarbeiter, denn wir gehen davon aus, dass es sich nur um eine temporäre Erscheinung handelt."

Die Pharmaindustrie in den USA hat ihre Forschungsausgaben den Angaben zufolge überraschend stark reduziert und damit die Umsatzprognosen von Qiagen torpediert. Einbußen gab es auch in der Biotechbranche. Besonders betroffen waren die Produktbereiche Instrumentation und synthetische Nukleinsäuren. Allein im zweiten Quartal 2002 lagen die Einnahmen hier um etwa zehn Mio $ unter den Erwartungen. Der Anteil der Pharma- und Biotechbranche in den USA am konsolidierten Umsatz von Qiagen liegt bei 25 Prozent.

Dagegen verzeichnete das Kerngeschäft mit Verbrauchsmaterialien in den USA Wachstumsraten von über 22 Prozent verzeichnet. Auch in den Ländern außerhalb der USA, die etwa die Hälfte des Umsatzes darstellen, erzielte Qiagen ein Wachstum von 21 Prozent. Das Unternehmen betonte, dass es seine Position als Marktführer weiter habe ausbauen können.

Zahlreiche Branchenexperten wie auch Qiagen seien der Auffassung, dass die US-Marktschwäche zeitlich begrenzt sei. "Die Pharmaunternehmen versuchen, ihr schwaches Umsatzwachstum auszugleichen", vermutete die Sprecherin. Auf Dauer kämen diese Firmen aber nicht um die Forschung herum. Insgesamt erwartet Qiagen für das zweite Quartal des laufenden Jahres einen Umsatz von 73 Mio $, im dritten Quartal sollen es rund 75 Mio $ sein. Im vierten Quartal schließlich sollen die Erlöse bei 80 Mio $ liegen, was in der Summe etwa 300 Mio $ ergäbe.

Für das Gesamtjahr 2003 werden die Umsätze den Berechnungen des Konzerns zufolge ungefähr 350 Mio $ erreichen, also das ursprünglich schon für dieses Jahr angestrebte Niveau. "Uns ist ein Jahr weggenommen worden", klagte die Qiagen-Sprecherin.

Die Analysten von SES Research empfahlen, die aktuelle Kursschwäche von Qiagen zum Aufbau von Positionen zu nutzen. Die Einstufung laute unverändert "Outperformer". Das Geschäftsmodell von Qiagen sei intakt und biete langfristig hohes Umsatz- und Ergebnispotenzial.

Diese Meinung vertraten auch die Experten der Deutschen Bank. Die WestLB Panmure senkte dagegen die Einstufung von Qiagen auf "sell" von "buy". Auch Thomas Richter von M. M. Warburg erwägt eine Abstufung der Aktie und eine Senkung des Kursziels. Das aktuelle "Kaufen"-Rating begründete er mit dem starken Kursverfall der vergangenen Monate, der die Aktie zu einem Schnäppchen gemacht habe.

An der Börse erlitt Qiagen am Dienstag drastische Kursverluste. Während der Nemax-50 bis 13.15 Uhr um rund acht Prozent nachgab, verloren Qiagen rund 41 Prozent auf 6,15 ?. Zwischenzeitlich hatte die Aktie sogar auf 5,85 ? nachgegeben und damit ein neues Jahrestief erreicht. Ende Januar hatte der Wert noch bei über 24 ? notiert.

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