Nach Sicherheitsmängeln
Internet-Steuererklärung wird vom Netz genommen

Wegen Sicherheitslücken wird das bundesweite Programm "Elster" für die Abgabe der Steuererklärungen vorerst bundesweit vom Netz genommen. Dies teilte Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) am Dienstag mit. Die Sicherheit für die Internet-Steuererklärung sei oberstes Gebot.

dpa-afx BERLIN/MÜNCHEN. Das staatlich empfohlene Programm "Elster" weist nach Erkenntnissen der Stiftung Warentest "erhebliche Sicherheitsmängel" auf. "Datendiebe können den Server der Finanzverwaltung überlisten, unbemerkt die Steuererklärung abfangen und persönliche Daten der Steuerzahler missbrauchen", schreiben die Berliner Tester in ihrem neuen Heft "Finanztest". Das habe ein Sicherheitscheck der Stiftung ergeben.

Internet-Steuererklärung wird nachgerüstet

Faltlhauser sagte, dank "Finanztest" sei zwar bestätigt, dass der Sicherheitsstandard des Steuererklärungsprogramms dem Stand der Technik entspreche. Jedoch gebe es beim Herunterladen des Programms und dessen Aktualisierung via Internet Schwachstellen. Man habe sich entschieden, kurzfristig alle denkbaren Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. "Die Internet-Steuererklärung wird deshalb nachgerüstet. Bei hochsensiblen Steuerdaten gibt es hierzu keine Alternative", sagte Faltlhauser.

Bundesfinanzministerium prüft Vorwürfe

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte am Dienstag, es werde geprüft, ob die Vorwürfe zutreffen. Die Zugänge über die so genannten Server für das Programm in München und Düsseldorf wurden abgeschaltet. Beim nordrhein-westfälischen Finanzministerium hieß es unter der Internet-Adresse "fm.fin- nrw.de/elster/ElsterFormular.exe", der Download des Programms stehe "zur Zeit leider nicht zur Verfügung".

Die Elektronische Steuererklärung (Elster) ließ sich ursprünglich über das Internet unter "www.elsterformular.de" auf den heimischen PC herunterladen. Voraussetzungen sind ein Computer mit Windows- Betriebssystem, Internetzugang und Drucker. Auf dem Bildschirm erschien ein mit der Papier-Version identisches Formular. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wurden die per Software ermittelten Daten auf Knopfdruck via Internet oder direkt über das Telefonnetz an die Verwaltung versandt.

Bei dem Schritt ins Netz öffneten sich laut "Finanztest" aber jedes Mal die "Tore für Datenräuber". Hacker könnten sich einschleichen und über die Daten der Steuerzahler verfügen. "Die Datendiebe haben nicht nur Einsicht in die persönlichen Daten der Steuerzahler, sondern auch Zugang zu ihrem Computer", schreibt "Finanztest". Solange diese Sicherheitsmängel nicht behoben seien, sollte man die Steuerformulare lieber in Papierform per Post versenden.

Finanztest: "Elster" hat drei Schwachstellen

Nach Angaben von "Finanztest" hat das Elster-Programm drei Schwachstellen. Wer sich das Programm aus dem Internet holt, kann nicht sicher sein, wirklich die Originalversion zu bekommen. Hacker können demnach "mit relativ geringem Aufwand" den Server der Finanzverwaltung nachbilden und eine eigene Programm-Version für die Steuerzahler bereitstellen.

Hacker können persönliche Daten entschlüsseln

Zudem empfiehlt Elster den Angaben nach beim Start des Programms ein Update durchzuführen. "Wieder können sich Datenräuber einschleichen und nichts ahnenden Bürgern eine gefälschte Version unterjubeln", heißt es. Dann habe der Hacker kein Problem mehr, die persönlichen Daten zu entschlüsseln. Laut "Finanztest" birgt auch der automatische Update-Mechanismus beim Abschicken des Formulars an das Amt ein erhebliches Risiko in sich. Hacker können sich demnach unbemerkt in die Online-Verbindung zwischen Computer und Elster- Server einschleichen und die fertige Steuererklärung abfangen.

Die Behörden hatten sich vom Elster-Programm kürzere Bearbeitungszeiten und schnellere Steuererstattungen versprochen, da die Daten bei den Ämtern nicht mehr manuell eingegeben werden müssen. Wegen der rechtlich noch unwirksamen elektronischen Unterschrift muss die Erklärung aber in vereinfachter Form noch ausgedruckt, per Hand unterschrieben und mit den anderen Unterlagen zum Amt geschickt werden.

Steuererklärung per Internet nicht sicher

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