Nach Sieg im Gewichtheben
Goldjunge Steiner hat noch große Pläne

Gewichtheber Matthias Steiner hat mit dem Gewinn der Goldmedaille überrascht. Der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere soll jedoch nicht der Einzige bleiben: der gebürtige Österreicher hat schon die nächsten Titel im Visier. Zuerst ist jedoch Urlaub angesagt - und Geld verdienen.

HB PEKING. Die Goldmedaille hat er in seinem Nachtschränkchen sicher weggesperrt, Alkohol konsequent abgelehnt. Die große Mauer will er sehen, im Urlaub abtauchen. Nach seiner Gold-Show von Peking beginnt Matthias Steiner sich auf seine Zukunft als stärkster Mann der Welt vorzubereiten. Erste Offerten von Sponsoren und Managern trafen bereits in der Nacht des Olympiasieges beim neuen deutschen Sportstar ein, dessen Foto über dem Titel "Super-Steiner" sogar die komplette Titelseite der Olympia-Ausgabe von "China Daily" füllte.

"Manager oder so was habe ich bisher nie gebraucht, keine Ahnung, wie es sich entwickelt. Offenbar sind schon Anfragen da. Die werde ich mit meinem Trainer aussieben", meint der superschwere Gewichtheber. Weil er Typ-I-Diabetiker ist, wurde der Recke von der Bundeswehr nicht als Sportsoldat angestellt und stattdessen ausgemustert. Sporthilfe, ein Autosponsor und der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) helfen nach Kräften und dennoch spärlich.

Alles eine Frage der Ansprüche, findet Steiner: "Eigentlich komme ich zurecht, so wie es ist. Mir wird doch alles zu Füßen gelegt. Ich brauche gar nix selber zu machen, nur heben. Und das habe ich hier ganz gut gemacht." Immer wieder betont der fast 26-Jährige, dass es ihm beim Gewichtheben überhaupt nicht um Geld geht: "Ich wollte Olympia-Gold, aber ich verschwinde doch nicht nach einem Olympiasieg. Wenn die Schmerzen weg sind und sich der Körper wieder erholt hat, bereite ich mich auf London 2012 vor. Und Weltmeister bin ich auch noch nicht."

In seinem Beruf will der gelernte Installateur ("Weil ich Gewichtheber war, musste ich immer die Gasflaschen schleppen") nicht arbeiten. Stattdessen kann er sich vorstellen, irgendwann "etwas mit Sprachen zu machen. Ich würde gerne Spanisch lernen und auch Italienisch, vielleicht mal im Ausland arbeiten." Aber zunächst wird er Profi-Gewichtheber bleiben. Nur kein armer mehr wie bisher.

Bis Steiner einen Manager gefunden hat, will Bundestrainer Frank Mantek helfen. "Ich habe Matthias angeboten, ihn zu beraten bei den Dingen, die jetzt auf ihn zukommen", meint Mantek. Der Bundestrainer war in den letzten Jahren weit mehr als nur Steiners Ausbilder, vor allem nach dem Unfalltod von dessen Ehefrau: "Ich bin aber sicher, dass Matthias so gefragt sein wird, dass er einen Manager-Profi braucht."

Das sieht der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, genauso: "Steiner hat so eine symbolhafte Goldmedaille gewonnen. Das wird ihm neue Dimensionen eröffnen."

Unterdessen beginnen sich die Geschäfte bereits zu entwickeln. In seinem österreichischen Heimatort Obersulz hat Steiner vorsorglich 200 Flaschen Rießling und Weißburgunder mit seinem Konterfei verzieren lassen, um ihn als Peking-Wein unter die Leute zu bringen: "Das reicht jetzt nicht mehr, das Kontingent werde ich wohl stark erhöhen müssen. Ist ja sowieso ein feiner Tropfen."

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