Nach Skandal: Konservative Partei verlässt Regierungsbündniss
Bruch der Regierungskoalition in Brasilien

Die brasilianische Mitte-Rechts- Regierungskoalition von Präsident Fernando Henrique Cardoso in Brasilien steht vor dem Bruch.

dpa BRASILIA. Die konservative Partei der Liberalen Front (PFL), eine der drei etwa gleich starken Hauptkräfte der Koalition, beschloss am Donnerstag in Brasilia ihren Austritt aus dem Bündnis. Er ist Folge einer spektakulären Durchsuchungsaktion der Polizei in einer Firma der PFL-Präsidentschafts-Kandidatin Roseana Sarney.

Die PFL habe Cardoso bereits am Morgen (Ortszeit) von der Entscheidung informiert, berichteten Medien unter Berufung auf PFL- Sprecher. Der Koalitionsbruch, knapp sieben Monate vor den Präsidentenwahlen, sollte den Angaben zufolge noch am Donnerstag auf einer eigens einberufenen Versammlung von Parteiführern und Gouverneuren offiziell verkündet werden.

Sarneys Unternehmen Lunus wird von der Polizei verdächtigt, an der Unterschlagung öffentlicher Gelder durch die vor einigen Monaten aufgelöste Behörde zur Wirtschaftsentwicklung der Amazonas-Region beteiligt zu sein. Sarney, die auch Gouverneurin des Bundesstaates Maranhao ist, warf Cardosos Partei der Sozialdemokratie (PSDB) vor, die Durchsuchung «inszeniert» zu haben, um ihre Kandidatur zu Gunsten von PSDB-Bewerber José Serra zu schwächen.

Die PSDB hatte zuvor für Serra als «Einheitskandidaten» plädiert. «Entweder wir verlassen nun die Regierung, oder ich gebe meine Kandidatur auf», hatte Sarney ihren Parteikollegen erklärt.

«Der Bruch mit der Regierung ist total», sagte unterdessen PFL- Chef Jorge Bornhausen. Es wird nun erwartet, dass die drei Minister der PFL sowie Vizepräsident Marco Maciel ihre Posten zur Verfügung stellen. Umweltminister José Sarney Filho, Bruder von Roseana und Sohn von Ex-Staatspräsident José Sarney (1985-90), war bereits am Montag zurückgetreten.

Die Regierung verliert damit ihre Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Cardoso hatte zuvor gewarnt, der Koalitionsbruch könne politische Instabilität und wirtschaftliche Probleme verursachen. Der Präsident hatte wegen der Krise am Mittwoch einen Besuch in Panama vorzeitig abgebrochen.

Nach jüngsten Umfragen liegt Sarney in der Wählergunst mit rund 25 Prozent nur sehr knapp hinter dem sozialistischen Oppositionsbewerber Luiz Inacio Lula da Silva. PSDB-Kandidat Serra, der erst jüngst als Gesundheitsminister zurückgetreten war, um sich auf den Wahlkampf konzentrieren zu können, hat nicht einmal die Zehn-Prozent-Marke erreicht.

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