Nach Sonderprüfung
WestLB geht auf Distanz zu Saunders

Die WestLB steht nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen kurz vor der Trennung von der umstrittenen Investmentbankerin Robin Saunders und dem von ihr verwalteten Bereich, der bei der WestLB zu Wertberichtigungen in Millionenhöhe geführt hatte.

rtr DÜSSELDORF. "Wichtige Anteilseigner der WestLB werden am Montag darüber beraten und voraussichtlich die Trennung von Frau Saunders beschließen", hieß es am Sonntag in den Kreisen. "Die Investmentbank Goldman Sachs soll den Käufer für den Bereich Principal Finance finden, der bereit ist, den höchsten Preis zu bezahlen", hieß es in den Kreisen weiter. Dazu verlautete am Wochenende aus Bankenkreisen Goldman Sachs habe bisher aber noch kein offizielles Mandat für die Käufersuche erhalten. Weder ein WestLB-Sprecher noch ein Sprecher für Saunders wollte die Angaben aus den Kreisen kommentieren.

WestLB-Chef Jürgen Sengera hatte bereits zuvor erklärt Goldman Sachs und die Citibank seien damit beauftragt worden, den Wert des von Saunders im Rahmen von Principal Finance verwalteten Portfolios zu bestimmen. Danach stünden alle Optionen offen, dazu zähle auch ein Verkauf, hatte Sengera ausdrücklich betont.

Die Aktivitäten der in London tätigen Saunders standen auch im Mittelpunkt einer Sonderprüfung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Freitag rügt der Bericht der BaFin das Vorgehen der Bank in der Risikoeinschätzung und-kontrolle. "Als Konsequenz aus dem Bericht wird der zuständige Vorstand Adolf Franke möglicherweise seinen Posten verlieren", hieß es in den verhandlungsnahen Kreisen weiter. Dazu werde es in der kommenden Woche voraussichtlich ein Treffen des Präsidiums des Aufsichtsrats geben. Am Mittwoch soll der Risikoprüfungsausschuss der Bank zusammentreten.

Saunders gilt als verantwortlich für Millionenverluste in Zusammenhang mit der von ihr betreuten britischen Leasinggesellschaft Boxclever. Die WestLB wies für 2002 einen Vorsteuerverlust von rund 1,7 Mrd.? aus, nachdem sie Ende Februar noch von rund einer Milliarde Euro Verlust ausgegangen war. Die BaFin hatte die Sonderprüfung von Saunders-Geschäften eingeleitet, weil die WestLB-Bankerin für die Vermittlung von Krediten offenbar mit besonders günstigen Aktien der betreffenden Firmen belohnt worden war. Das Interesse der Prüfer galt auch der Frage, ob die Risikovorsorge für die teilweise hochriskanten Geschäfte von Saunders und die Kontrolle ihrer Tätigkeiten ausreichend war. Saunders selbst prüft einen Erwerb des von ihr geführten Finanzierungsgeschäfts des Düsseldorfer Bankhauses.

Die WestLB AG ist seit Ende August 2002 eine 100-prozentige Tochter der Landesbank NRW, die wiederum zu 43,2% dem Land gehört. Jeweils 16,7% liegen beim Rheinischen sowie beim Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverband. Weitere 11,7% halten jeweils der Landschaftsverband Rheinland und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

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