Nach Studie mehr Aufsicht nötig
Aktieninstitut: "Keine Dauerbaisse"

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hält trotz der dramatischen Kursverluste an den Weltbörsen seit März 2000 eine Dauerbaisse für unwahrscheinlich und fordert nach den Bilanzskandalen der jüngsten Zeit eine Stärkung der Aufsichtsbehörden.

Reuters FRANKFURT. "Im Gegensatz zum großen Crash an den Aktienmärkten 1929, auf den eine Weltwirtschaftskrise folgte, wächst die Realwirtschaft derzeit zumindest noch ein wenig", sagte Andre Wetzel, Autor einer am Montag vorgelegten DAI-Studie zu dem Thema. Er verwies darauf, dass in den USA in Reaktion auf das Platzen der damaligen Börsenblase die US-Börsenaufsicht SEC gegründet und mit umfassenden Kontroll- und Sanktionsmöglichkeit ausgestattet worden sei. Angesichts der jüngsten Bilanzskandale sei eine Stärkung der Eingriffsrechte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) nach dem Vorbild der SEC dringend geboten, um das Vertrauen in die Märkte wieder herzustellen.

Seit den Index-Höchstständen vom März 2000 wurden durch den Kursverfall im Deutschen Aktienindex (Dax) knapp 500 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet, beim Nemax50 waren es immerhin 209 Milliarden Euro. Da im Gegensatz zu 1929 die Wirtschaft weiter wachse und die institutionellen Anleger weiter über hohe Anlagemittel verfügten, müssten die anhaltenden Kursverluste der vergangenen Zeit primär als Folge von Skandalen wie Bilanzfälschung und Insiderhandel angesehen werden, heißt es in der neuen Studie des DAI. Neben den großen Bilanzskandalen in den USA wie Enron oder WorldCom hatte es in Deutschland vergleichbare Missstände vor allem am Neuen Markt gegeben, wo eine Reihe von Unternehmenschefs zeitweise sogar in Haft saß.

Das DAI forderte als Konsequenz aus diesen Skandalen mehr Befugnisse für die deutsche Aufsichtsbehörden. "Das BAFin muss die Möglichkeit haben, selber Untersuchung einzuleiten und einen Ansprechpartner bei der Staatsanwaltschaft, vielleicht sogar eine bundesweite Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft an die Seite gestellt bekommen", sagte Wetzel.

Auch müsse es möglich sein, widerrechtlich erschlichene Gewinne abzuschöpfen. "Es kann nicht sein, dass jemand Millionen mit Insiderhandel verdient, aber vielleicht nur 100 000 Euro Strafe zahlen muss", sagte er. Die SEC kann solche widerrechtlich erzielten Gewinne einbehalten und finanziert sich dadurch auch teilweise. Nur durch solche Maßnahmen sei das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen, sagte Wetzel.

Das in Frankfurt ansässige DAI ist der Verband der börsennotierten Aktiengesellschaften und anderer an der Aktie interessierter Unternehmen und Institutionen. Es sieht seine wichtigste Aufgabe in der Förderung der Aktienakzeptanz bei Anlegern und Unternehmern.

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