Nach tödlichem Angriff
Mazedonische Armeeoffensive gegen Rebellen

Die mazedonische Armee hat am Donnerstag wenige Stunden nach einem tödlichen Angriff auf zwei ihrer Soldaten im Norden des Landes eine neue Offensive gegen albanische Rebellen begonnen. Mit dem groß angelegten Einsatz solle die Region nördlich von Kumanovo von Terroristen "gesäubert" werden, sagte ein Regieungssprecher in Skopje. Lokale Albaner berichteten, seit dem Nachmittag greife die Armee mit Hubschraubern und Artillerie an. Damit schien eine Verhandlungslösung in die Ferne zu rücken.

dpa SKOPJE. Die albanischen Freischärler hatten die Soldaten, die auf einer Patrouillenfahrt im Grenzgebiet unterwegs waren, morgens gegen 5.30 Uhr in der Ortschaft Vaksince angegriffen, teilte das Innenministerium mit. Ein dritter Soldat sei verschleppt worden. Um 15.00 Uhr lief ein Ultimatum des Innenministeriums an die Einwohner des Dorfes Vaksince und der Nachbarortschaft Slupcane ab, die Gegend zu räumen.

Über Städte und Dörfer nördlich von Skopje wurde eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 05.00 Uhr verhängt. Die Sicherheitskräfte warnten die als Terrorgruppen bezeichneten albanischen Rebellen, Zivilisten als Schutzschild zu missbrauchen. Die albanischen Rebellen hatten in dem umkämpften Gebiet eine "befreite Zone" ausgerufen.

Ein Rebellenführer bestätig telefonisch den Zusammenstoß. Der Freischärler-Kommandeur mit dem Decknamen "Hoxha" bezeichnete die Soldaten als Eindringlinge, die angegriffen worden seien. In einem Telefongespräch sagte er, die Rebellen hätten in einem anderen Ort zwei Paramilitärs gefangen genommen. "Wir beabsichtigen nicht, unsere Waffen niederzulegen, bevor unsere Forderungen erfüllt sind", sagte der Rebellenführer. "Wir greifen Regierungstruppen nicht an oder überfallen sie. In Wahrheit dringen die mazedonischen Kräfte in albanische Häuser ein und verschrecken unsere Leute."

Friedensbemühungen untergraben?

Nato-Generalsekretär George Robertson zeigte sich in Brüssel "entsetzt und zutiefst besorgt" über die tödlichen Angriffe auf die Soldaten. Dadurch könnten die Friedensbemühungen in einem Land untergraben werden, das ein gutes Beispiel für eine funktionierende Demokratie auf dem Balkan sei. "Die Nato wird die Anwendung von Gewalt gegen die Behörden und die demokratische Regierung in Skopje nicht tolerieren." Robertson forderte alle Volksgruppen auf, "die Gewalt zu verurteilen und beherrscht zu handeln". Sie müssten gemeinsam gegen die Extremisten zusammenstehen und diese isolieren. Ihnen dürfe keine Chance gegeben werden, das Land zu destabilisieren.

Am Samstag hatten albanische Extremisten bei Tetovo acht Soldaten und Polizisten durch einen Mörserangriff getötet. Häuser und Geschäfte der albanischen Minderheit in Mazedonien, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, wurden daraufhin bei Protesten von Mazedoniern attackiert. Die Zuspitzung beendete eine vierwöchige Phase relativer Ruhe, in der - allerdings ohne konkrete Ergebnisse - über eine Friedenslösung gesprochen wurde. Die Albaner verlangen, als Staatsvolk in die Verfassung aufgenommen zu werden und wollen eine Stärkung ihrer Rechte.

Eine bislang unbekannte mazedonische Untergrundorganisation hat sich zu den Gewalttaten gegen Albaner bekannt. Die Belgrader Nachrichtenagentur Beta berichtete, die Mazedonische Revolutionäre Organisation (MRO) habe erklärt, sie wolle Geldgeber albanischer Rebellen ausschalten. Die Gruppe, die sich nach dem umstrittenen Nationalistenführer Todor Aleksandrov benenne, habe nach eigenen Angaben 1 200 Mann unter Waffen. Sie habe sich auch zu den tödlichen Schüssen auf ein albanisches Restaurant in Skopje am Mittwoch bekannt. Dabei war ein Kosovo-Albaner getötet worden.

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