Nach Untergang des französischen Tankers
Angst und Ungewissheit nach Tankerunglück

dpa PARIS/CHERBOURG. "Da draußen ist der Chemie-Tanker gesunken." Oben auf dem Deich stehend weist der Fischer aus dem kleinen Dorf am Kap von La Hague in der Normandie in die Ferne. Wer seine Augen anstrengt, kann über dem Wasser die britische Kanalinsel Alderney erkennen. Am Tag nach dem Untergang des Tankers "Ievoli Sun" herrschen Angst und Ungewissheit im Nordwesten Frankreichs. Was wird aus den tausenden Tonnen Gift im Bauch des Tankers? Kann der Fischer noch guten Gewissens Netze auswerfen? Und welche Folgen sind für den Tourismus zu befürchten? Das Gespenst der "Erika" ging bereits um, als bekannt wurde, dass giftiges Styrol aus dem Tanker austritt.

Die Ölpest der in zwei Teile zerbrochenen "Erika" kennen die Küstenbewohner der Normandie zwar nur aus den Medien. Was das die Strände verseuchende Öl vor zehn Monaten an der westfranzösischen Küste angerichtet hat, ist aber allen noch im Gedächtnis. "Und wir haben hier doch die atomare Aufarbeitungsanlage von La Hague, was schon nicht gut ist für den Tourismus", klagt eine Frau. Angaben von Fachleuten, dass die Gefahren durch die Fracht der "Ievoli Sun" begrenzt sind, beruhigen die Gemüter vielleicht. Ein neuer Sturm ist angesagt. Starke Strömung könnte den Tanker auf tiefen Grund treiben.

"Die 4 000 Tonnen Styrol an Bord sind krebserzeugend"", sagt der westfranzösische Chemie-Professor Roger Pichon. "Die Chemikalie kann auch explodieren." Wenn diese giftigen Stoffe durch ein Leck im Tanker an die Wasseroberfläche gelangen, bilden sie entweder Klumpen und werden ungiftig. Oder aber sie verflüchtigen sich in der Luft und vergiften im Umkreis von bis zu zwei Kilometern die Atmosphäre. Dabei haben doch Tausende von Booten den Ärmelkanal als Fischgrund. "Das Schiff liegt dort, wo Schleppnetze eingesetzt werden", sagt der Regional-Präsident der Fischer in Cherbourg, Daniel Lefevre. "Wir müssen aber doch wieder auf See", meint der 24-jährige Fischer Guy.

Auch Schuldzuweisungen kommen hinzu: Die Umweltorganisation Greenpeace warf den Behörden praktisch vor, den Tanker absichtlich zu der Unterwasser-Müllhalde "Casquets-Graben" geschleppt zu haben. Dem französischen Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot wurde "Mangel an Entschlossenheit" im Kampf um verschärfte Sicherheitsbestimmungen auf See vorgehalten. Die Regierung in Paris ihrerseits verweist auf die von ihr gemachten Vorschläge, die noch nicht durch die politischen Mühlen der Europäischen Union gegangen seien. Und Frankreichs grüne Umweltministerin Dominique Voynet stand nicht allein mit ihrer harschen Kritik am "Profit-Denken" auf See.

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