Nach US-Anschlägen stehen weder Gewinnwarnungen noch Bonitätsherabstufungen an
Deutsche Banken bleiben gelassen

Europäische Banken werden von den Auswirkungen der Terroranschläge in den USA nicht verschont bleiben. Sie werden aber wohl nicht so stark betroffen sein wie ihre amerikanischen Pendants. Angesichts der Unsicherheit fällt es allen Instituten aber noch schwer, die Auswirkungen auf das Geschäft zu prognostizieren.

HB FRANKFURT/M. Wichtige Faktoren seien die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft. "Wie sich die vielschichtigen Einflüsse auf die Ertragslage der Banken im Endergebnis auswirken könnten, ist zurzeit nicht absehbar", sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

Gewinnwarnungen wird es bei den deutschen Instituten wohl nicht geben. Auch mit Bonitätsherabstufungen sei zunächst nicht zu rechnen, betonte Sam Theodore, Managing Director der Rating-Agentur Moody?s. Moody?s will heute einen Spezialreport über die Auswirkungen auf die Banken veröffentlichen. Theodore nannte gestern drei wesentliche Risiken für die Branche: Sinkende Einnahmen aus dem Kapitalmarktgeschäft, eine höhere Risikovorsorge aufgrund des erwarteten Anstiegs von Kreditausfällen, vor allem in der Luftfahrt- und Touristikbranche. Drittens, das Marktrisiko für die Handelsportfolios der Banken und ihre in Beteiligungen ruhenden stillen Reserven.

Deutsche Bank: Stellenstreichungen sind "reine Spekulation"

Die Deutsche Bank wollte sich zur Gewinnlage und Ergebnisentwicklung nicht äußern. Darstellungen über die Streichung von bis zu 15 000 Arbeitsplätzen bezeichnete ein Sprecher "als reine Spekulation". Stellenabbau sei derzeit kein Thema in den Gremien der Bank. Die Commerzbank geht davon aus, dass es keinen nennenswerten Auswirkungen bezogen auf das Gesamtergebnis der Bank geben wird, sagte ein Sprecher. Doch konkrete Zahlen seien noch nicht bekannt. In den nächsten Wochen will der Vorstand der Commerzbank über den Abbau von Arbeitsplätzen entscheiden. Auch Entlassungen seien nicht auszuschließen. Um Zahlen zu nennen, sei es aber zu früh. Der Arbeitsplatzabbau stehe aber nicht im Zusammenhang mit Folgen der US-Anschläge, betonte der Sprecher.

Die Hypo-Vereinsbank sieht sich relativ wenig von den Folgen der Terror-Anschläge in den USA betroffen. Sie ist als "Bank der Regionen" überwiegend im Privatkundengeschäft in Deutschland, Österreich und Polen aktiv. Auch über ein internationales Investment-Banking in großem Stil verfügt der Münchener Konzern nicht. Inwieweit ein möglicher Konjunktureinbruch die Bank trifft, lässt sich noch nicht abschätzen.

Auch für die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sei es noch zu früh, Folgerungen aus den Terroranschlägen für die Strategie des Konzerns zu ziehen, erklärten Sprecher beider Häuser. UBS und Deutsche Bank werden nach Ansicht von Marc Rubinstein, Analyst von Credit Suisse First Boston, am stärksten von den Folgen der Anschläge betroffen sein, da sie das größte US-Engagement haben.

Citigroup und American Express haben bereits Gewinnwarnungen vorgelegt

Anders ist die Situation in den USA: Citigroup, die bisher besser abgeschnitten hatte als das Gros der Wall Street Firmen, und der Kreditkarten- und Finanz-Konzern American Express haben bereits Gewinnwarnungen vorgelegt. Die Citigroup schätzt, dass der Terroranschlag sie etwa 700 Mill. $ kosten wird.

Für die übrigen US-Banken lässt sich der Schaden bis jetzt kaum abschätzen. An jedem Tag, an dem die Börsen geschlossen waren, verloren US-Banken Einnahmen von etwa 800 Mill. $, errechnete der Bankenverband Securities Industry Association.

Die Auswirkungen der Anschläge werden im gesamten Bankgeschäft zu spüren sein. Während Ingo Wagner, Leiter Financial Institutions Central Europe bei AT Kearney, und Dresdner Bank-Chef - Bernd Fahrholz die Vermögensverwaltung massivem Druck ausgesetzt sehen, blicken Credit Suisse Asset Management und Citigroup Asset Management positiv nach vorne. "Ich bin sehr optimistisch", sagte Friedrich von Nathusius, Geschäftsführer der Citigroup Asset Management. Durch den wachsenden Beratungsbedarf werde sich das Geschäftsfeld Asset Management im vierten Quartal diesen Jahres und im Jahr 2002 nach oben entwickeln. Auch Credit Suisse Asset Management befürchtet keinen Einbruch. Im Investment-Banking rechnen die Experten dagegen vielleicht sogar mit einer Belebung des Geschäfts, da sich die Rahmenbedingungen erheblich verändert hätten.

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