Nach USA-Kritik des Farktionschefs
Schröder rüffelt Stiegler

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat SPD - Fraktionschef Ludwig Stiegler wegen einer abschätzigen Bemerkung über die USA beim Vorgehen im Irak öffentlich gemaßregelt. Er habe Stiegler gebeten, sich künftig im Ton zu mäßigen, sagte Schröder am Montag nach einer SPD-Präsidiumssitzung in Berlin.

HB BERLIN. Stiegler hatte am Wochenende US-Präsident George W. Bush mit römischen Imperatoren wie Julius Caesar verglichen und erklärt, Washington sehe sich als das "neue Rom" und seine Verbündeten nur als "Verfügungsmasse". Schröder sagte vor Journalisten, er habe Stiegler deutlich gemacht, dass solche historischen Vergleiche immer hinkten. Der Fraktionschef habe zugesichert, dass sich so etwas nicht wiederholen werden.

Nach Angaben des Kanzlers stellte sich die SPD-Spitze einmütig hinter seine Position, wonach sich Deutschland auf keinen Fall an einem US-Militäreinsatz im Irak beteiligen wird. Dies habe nichts mit dem Wahlkampf zu tun. Er sei vielmehr "fest überzeugt, dass das richtig ist für Deutschland". Schröder widersprach dem Eindruck, es gebe in der SPD-Führung deswegen unterschiedliche Ansichten. Der SPD - Außenpolitiker Gernot Erler habe seine abweichenden Äußerungen inzwischen zurückgezogen, sagte Schröder und fügte hinzu: "Jeder macht mal einen Fehler". Erler hatte erklärt, dass der Kanzler immer nur eine Beteiligung an einem Angriffskrieg gegen Bagdad ausgeschlossen habe. Falls die Vereinten Nationen aber die Entsendung von Waffeninspektoren erzwingen wollten, werde sich Deutschland beteiligen, hatte sich der Fraktionsvize am Wochenende überzeugt gezeigt.

Schröder sieht durch die Kontroverse mit Washington die deutsch- amerikanischen Beziehungen weiter nicht dauerhaft belastet. Freundschaft könne aber nicht darauf hinauslaufen, dass die eine Seite sage, was sie wolle, und die andere dann einfach die "Hacken zusammenklappt". Die deutsche Haltung werde in Berlin entschieden.

Der Kanzler sieht nach derzeitigem Stand offenbar keinen Anlass, nach einem Wahlsieg am 22. September sofort in die USA zu fliegen. Er wies darauf hin, dass er Bush voraussichtlich beim NATO - Gipfel im November in Prag sehen wird. Auch der telefonische Kontakt werde sicher nicht abreißen.

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