Nach Vodafone D2 führt auch die Konkurrenz MMS im Sommer ein
Mit Multimedia-Nachrichten wollen Mobilfunker ihre Umsätze antreiben

Es klingt nach einem furiosen Start: "Die neuen Handys sind ausverkauft", lautete die Auskunft in einigen Geschäften von Vodafone D2 Ende April - nur wenige Tage, nachdem das Unternehmen als erstes in Deutschland MMS, den multimedialen Nachfolger der Kurznachrichten SMS, eingeführt hatte.

DÜSSELDORF. Die Konkurrenz vermutete dahinter weniger die Begeisterung der Kunden für den neuen Dienst als vielmehr eine Ausrede für technische Schwierigkeiten und die Knappheit an MMS-fähigen Mobiltelefonen. Jetzt ziehen die anderen Mobilfunknetzbetreiber nach: Sie werden in Kürze den MMS-Service anbieten.

Gestern kündigte die spanische Telefónica die Einführung der neuen Dienste in Deutschland für die zweite Jahreshälfte an. Auch die übrigen europäischen Mobilfunkgesellschaften, wie die britische MMO2 und Telecom Italia Mobile, lassen ihre Technik mit MMS-Software aufrüsten. T-Mobile, Tochter der Deutschen Telekom, will den Nachfolger der Kurznachricht ab Sommer anbieten.

MMS (Multimedia Messaging Service) - die drei Buchstaben sind ein neuer Hoffnungsträger der Mobilfunknetzbetreiber. Der Service, mit dem Textnachrichten mit Fotos, Grafiken und Musik aufgepeppt werden können, sollen den Datendurchsatz der Unternehmen erhöhen und der Branche wieder Impulse geben. Denn die Unternehmen kämpfen mit hohen Ausgaben für UMTS und ungewissen Aussichten dieser neuen Technik, mit niedrigen Wachstumsraten und sinkenden Durchschnittsumsätzen pro Kunden. Datendienste, die bisher fast ausschließlich aus den populären Kurznachrichten (SMS) bestehen, bringen zurzeit etwas mehr als zehn Prozent des Umsatzes bei den Mobilfunkern.

MMS ist verhältnismäßig einfach in den bestehenden GPRS-Netzen zu realisieren. Und anders als bei Wap, einer sehr kruden Form des mobilen Internets, gibt es nach Ansicht von Experten durchaus eine Nachfrage nach MMS. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan könnte der Europamarkt für MMS-Dienste im Jahr 2006 ein Volumen von 28,5 Mrd. Euro umfassen. Bereits für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem Umsatz von 72 Mill. Euro. Nach Studien des finnischen Mobiltelefon-Herstellers Nokia kommt ein positiver Nebeneffekt hinzu: MMS könnte auch zu einem Anstieg der Umsätze durch reine Sprachtelefonie führen; denn auf etwa 70 % der Multimedia-Nachrichten würden die Empfänger mit einem Anruf reagieren - so zumindest die Prognose.

In Japan wird der Dienst schon seit längerem angeboten. Bei der japanischen Vodafone-Beteiligung J-Phone nutzen mehr als 100 000 Kunden die bunten Foto-Text-Nachrichten. Und auch die durchschnittlichen Umsätze der Kunden sind von Februar bis März dieses Jahres bereits um mehr als 2 Euro gestiegen. In Deutschland gibt Vodafone die Zahl der MMS-Nutzer mit "einigen Tausend" an - angesichts des Preises von fast 500 Euro für ein MMS-fähiges Handy mit einem Vodafone-Vertrag sprechen Analysten durchaus von einem akzeptablen Start.

Bis MMS-Mobiltelefone ein Massenprodukt werden, müssen jedoch noch einige Probleme gelöst werden: Es muss eine größere Auswahl an Geräten geben. MMS-Netztechnik und MMS-Handys unterschiedlicher Hersteller müssen miteinander harmonieren. "Sonst halten die Kunden doch wieder an der bewährten Kurznachricht fest", warnt ein Analyst von Gartner Research. Entscheidend für die Popularität des neuen Dienstes sei auch der Preis. Bei Vodafone ist das Verschicken einer MMS bis Ende Juli kostenlos und soll dann 39 Cent kosten - weniger als eine Briefmarke.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%