Nach Vorwürfen von Bilanzmanipulationen und Insiderhandel
Ermittlungen bei US-Großbanken - Aktien unter Druck

Die Aktien großer US-Finanzdienstleister sind an der New Yorker Börse zeitweise kräftig unter Druck gekommen. Händler verwiesen auf Untersuchungen der US-Behörden bei verschiedenen Banken wegen angeblicher Verstrickungen in Bilanzmanipulationen und Insiderhandel.

Reuters NEW YORK. Der Aktienkurs von Citigroup, des weltweit größten Finanzdienstleisters, fiel im frühen Geschäft zeitweise um 4,5 Prozent auf 26,50 Dollar. Die Aktien von Merrill Lynch brachen zeitweise um fünf Prozent auf 32 Dollar ein. Im Verlauf erholten sich die Kurse in einem insgesamt aufwärts strebenden Markt wieder. Gegen den Branchentrend zogen lediglich die J.P.Morgan-Aktien deutlich an, die allerdings vortags stark gefallen waren.

Händler sagten, die Bewegungen seien übertrieben. "Ich glaube definitiv, dass die Aktien (der Banken) überverkauft sind, aber das heißt nicht, dass sie nicht noch mehr überverkauft werden können", erklärte ein Händler. Auslöser der Kursverluste bei Merrill Lynch waren Berichte über eine Verwicklung des Investmenthauses in eine Untersuchung wegen Unregelmäßigkeiten bei einem Geschäftspartner. J.P.Morgan Chase und Citigroup sind in Zusammenhang mit ihren Finanzgeschäften mit dem zusammengebrochenen Energiehändler Enron schon seit einigen Tagen unter Druck. Den beiden Finanzinstituten drohen nach der Mitteilung eines Senats-Ausschuss Untersuchungen durch die US-Börsenaufsicht SEC sowie der US-Justizbehörden.

Der Energie- und Handelsausschuss des US-Repräsentantenhauses hatte am Dienstagabend mitgeteilt, er habe von Merrill Lynch im Zusammenhang mit einem Insider-Verdacht weitere Unterlagen zu Transaktionen des Pharmaunternehmens ImClone Systems aufgefordert. Der Ausschuss wolle wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte vor der Ablehnung eines Medikaments durch die US-Gesundheitsbehörde FDA die Namen der Merrill-Broker und deren Kunden sowie Einzelheiten zu Transaktionen des Merrill-Büros in Roseland, New Jersey erfahren. Die Freundin des ehemaligen ImClone-Chairmans Sam Waksal, Martha Stewart, sagte, sie habe etwa 4000 ImClone-Aktien am Tag vor der FDA-Ablehnung verkauft, weil sie und Merrill Lynch-Broker Peter Bacanovic den Verkauf der Aktien bei einem Kursrückgang auf ein bestimmtes Niveau vereinbart hätten. Waksal war am 12. Juni wegen Insiderhandels verhaftet worden. Er weist aber die Vorwürfe zurück. Bacanovic arbeitet nicht mehr bei Merrill Lynch.

Citigroup und J.P. Morgan stehen dem Untersuchungsausschuss zufolge unter Verdacht, dem mittlerweile insolventen Energie-Händler Enron und zehn weiteren Unternehmen Kredite in Milliarden-Dollar-Höhe mittels verschleierter Rohstoff-Geschäfte bereitgestellt zu haben. Citigroup und J.P. Morgan hätten an den Geschäften kräftig verdient und die Idee an mindestens zehn weitere Unternehmen verkauft. Bei den Transaktionen hätten die Unternehmen mit dem Wissen der beiden Banken Finanzhilfen nicht als Kredite, sondern als Cash-Flow verbucht.

Eine Anwalt-Firma mit Sitz in New York hat außerdem nach eigenen Angaben gegen Citigroup eine Klage eingereicht. Citigroup habe ihre Geschäfte mit Enron nicht ehrlich dargestellt, hieß es. Vor dem Ausschuss hatten die befragten Mitarbeiter beider Banken die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Praxis solcher Vorauszahlungen sei in der Branche üblich. Zudem erschienen die Geschäfte mit Enron auf Basis des damaligen Wissenstandes über den Energiehändler und dessen Wirtschaftsprüfer als legitim, sagte David Bushnell, Chef der Risiko-Management-Sparte der Citigroup. Die Banken erklärten zudem, es sei nicht ihr Fehler gewesen, dass Enron die Zahlungen falsch verbuchte.

J.P.Morgan Chase hat sich außerdem gegen die Vorwürfe erneut zur Wehr gesetzt. Die mit Enron getätigten Finanzgeschäfts seien korrekt gewesen, sagte J-P.Morgan-Chairman und Ceo William Harrison in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren. Die Bank habe in allen Angelegenheiten mit Enron korrekt gehandelt. Viele Unternehmen nuzten die Möglichkeit von Vorauszahlungen.

Derweil stuften die Analysten von J.P. Morgan die Aktien der Citigroup auf "kaufen" von "market perform" hoch. "Wir glauben, dass Citigrop überverkauft sind", begründete Analystin Catherine Murray die Empfehlung. In diesem Jahr seien die Aktien von Citigroup schon um 45 Prozent gefallen. Es sei schwer zu glauben, dass Citigroup bewusst an betrügerishcen Aktivitiäten beteiligt gewesen sei, erklärte Murray.

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