Nach wie vor keine klaren Signale von der Notenbank
Experten: EZB-Zinssenkung würde nur zu Strohfeuer an den Märkten führen

Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet am Donnerstag einen Zinsschritt von der Europäischen Zentralbank. Doch längst nicht alle Experten glauben, dass die Aktienmärkte davon profitieren würden. Kommentar: Die Unsicherheit bleibt

dpa-afx/rtr/vwd PARIS/LONDON. Nach Ansicht von Marktteilnehmern dürfte eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag nur zu einem Strohfeuer an den Märkten führen. Für eine nachhaltige Erholung sei ebenfalls eine Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) notwendig, erklärten Händler am Dienstag in Paris. Unveränderte EZB-Leitzinsen dürften allerdings die Märkte belasten.

"Ich glaube, ein EZB-Schritt wird wenig außer einer kurzfristigen Rally bringen. Die einzig wichtigen Zinsentscheide kommen von der Fed. Jene von der EZB sorgen bei mir lediglich für ein Lächeln", sagte ein Pariser Händler. Die Geldpolitik sei zwar europäisch, aber die Anlagen würden von Amerikanern vorgenommen und die Märkte folgten den US-Aktienindizes.

Für die gebeutelten Technologie-, Medien- und Telekommunikationswerte (TMT) könnte ein EZB-Schritt allerdings Wasser auf die Mühlen sein, erklärte ein weiterer Händler. Aus Internet-Titeln sei die Spannung allerdings heraus. Die Hauptgewinner eines EZB-Entscheids wären hochverschuldete Bauunternehmen und Firmen aus der so genannten "Old Economy", die derzeit deutlich unterbewertet seien.

Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erwartet eine knappe Mehrheit der befragten Volkswirte trotz zunehmender Spekulationen über einen Zinsschritt noch keine Zinssenkung der EZB. Zwar hätten einige EZB-Ratsmitglieder zuletzt Hoffnungen auf niedrigere Zinsen geschürt, insgesamt habe die Notenbank jedoch alles andere als ein klares Signal gesendet, sagten die Experten. 17 der 30 Befragten erwarten danach keine Zinssenkung auf der Ratssitzung am Donnerstag. Acht der Befragten prognostizierten eine Leitzinssenkung und fünf sehen die Wahrscheinlichkeit für niedrigere Zinsen bei 50 %.

Mehrheit rechnet mit Zinssenkung um 25 Basispunkte

"Wenn die EZB die Märkte vorsätzlich verwirren wollte, dann ist ihr das sehr gut gelungen", sagte Stephen Webster von 4CAST in London. Die Mehrheit der Experten sagte für die nächste Ratssitzung am 11. April eine Zinssenkung voraus, und zwar überwiegend um 25 Basispunkte auf dann 4,50 % im Schlüsselzins. Alle Indikatoren - Konjunktur, Preisentwicklung und Geldmengenwachstum - und damit beide Säulen der EZB-Strategie sprächen für eine Zinssenkung, sagte zum Beispiel Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank AG, am Dienstag in Brüssel am Rande einer Veranstaltung. Alle bedeutenden Industrieländer hätten die Zinsen bereits gesenkt, so die USA, Großbritannien und Japan. Hüfner hielt Zinsschritte wie in den USA für die Eurozone allerdings für nicht angemessen. Mehr als 25 Basispunkte Zinssenkung am Donnerstag wären übertrieben, glaubt er.

In der vergangene Woche waren die Aussagen der EZB-Ratsmitglieder alles andere als einheitlich. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte am vergangenen Freitag für eine ruhige Hand in der Geldpolitik plädiert und vor "hektischen" Entscheidungen der EZB gewarnt. Damit hatte er die Zinssenkungserwartungen der Finanzmärkte gedämpft, die sich im Wochenverlauf nach Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing aufgebaut hatten. Issing hatte ungewöhnlich deutlich auf die verschlechterten Konjunkturaussichten in der Euro-Zone hingewiesen und damit Analysten zufolge eine baldige Zinssenkung angedeutet. Auch der französische Notenbankchef Jean-Claude Trichet hatte auf die schwächeren Wachstumsaussichten und zugleich niedrigere Inflationsgefahren hingewiesen. EZB-Chef Wim Duisenberg wiederum hatte die abwartenden Haltung der EZB in der Zinspolitik bekräftigt.

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