Nach Zahlungsausfall raten Analysten zur Ruhe: Argentinische Staatsanleihen erstmal halten

Nach Zahlungsausfall raten Analysten zur Ruhe
Argentinische Staatsanleihen erstmal halten

Argentinien kann seine Schulden nicht mehr zurückzahlen. Auch Privatanleger müssen mit herben Einschnitten rechnen. Die einst sicheren Staatsanleihen könnten nun zum Thema für Verbraucherschützer und Rechtsanwälte werden. Nach Meinung von Experten sollten Eurobond-Besitzer zunächst abwarten.

FRANKFURT/M. Die Finanzkrise in Argentinien wird auch Privatanleger in Deutschland in Mitleidenschaft ziehen. Experten gehen davon aus, dass in D-Mark oder Euro ausgegebene Staatsanleihen im Wert von mehr als 20 Mrd. Euro von dem größten Zahlungsausfall der Geschichte betroffen sind. Anleger werden deutlich schlechtere Konditionen für ihre Papiere hinnehmen müssen.

Instiutionelle Anleger haben verkauft

Während institutionelle Investoren seit rund einem halben Jahr argentinische Eurobonds verkauft haben, sitzen viele Kleinanleger nach wie vor auf den einst als sicher geltenden Staatspapieren. "Die Institutionellen haben seit Herbst 2001 sehr stark untergewichtet", sagt Nicolas Schlotthauer, Rentenexperte der DGZ-Deka-Bank. "Natürlich haben auch Privatanleger verkauft", sagt Mauro Toldo von der DZ-Bank. "Aber vor allem die Institutionellen haben sich von argentinischen Eurobonds getrennt."

Peter Grieble, Geldanlageberater bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, will den Anlegern keinen Vorwurf machen, wenn sie Argentinien-Anleihen gezeichnet haben. "Viele so genannte Experten vermittelten in den vergangenen Jahren den Eindruck, dass DM-Auslandsanleihen eine todsichere Sache sind", so seine Erfahrung aus der Beratungspraxis.

Klagen haben wenig Aussichten auf Erfolg

Ende vergangener Woche geriet Argentinien offiziell in Zahlungsverzug. Die Regierung zahlte die Zinsen auf eine in italienische Lira ausgegebene Anleihe nicht. Theoretisch können Besitzer argentinischer Eurobonds nun verlangen, dass ihre Anleihen zum Nennwert zurückgezahlt werden. Weil Argentinien aber zahlungsunfähig ist, hätten derartige Klagen wenig Aussicht auf Erfolg, sagt Toldo.

Dies sieht Franz Braun, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Rotter in Grünwald bei München, anders. Denkbar sei etwa eine Sammelklage in den USA gegen den argentinischen Staat. "Wichtig ist, dass die Interessen der privaten Investoren gebündelt werden", sagt der auf Wertpapierrecht spezialisierte Anwalt, dem schon einige Anfragen wegen Argentinien vorliegen. Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW sieht das Hauptproblem bei Rechtsansprüchen aus falscher Finanzberatung in der Nachweispflicht des Klägers. Deshalb sei es gut, wenn man bei großen Anlagesummen einen Zeugen mit zum Gespräch bei der Bank nehme, um später eventuelle Versäumnisse in der Beratung beweisen zu können.

Marc Tüngler, Rechtsanwalt bei der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), rät, erst einmal abzuwarten, welches Umschuldungsangebot Argentinien den Privatanlegern macht. Experten gehen davon aus, dass Eurobond-Besitzer deutlich schlechtere Konditionen bei Laufzeit, Zins und Nennwert hinnehmen müssen. Sollte der Nennwert um mehr als die Hälfte gekürzt werden, werde die DSW sich überlegen, rechtlich dagegen vorzugehen, sagt Tüngler. Derzeit notieren argentinische in DM und Euro ausgegebene Anleihen bei Kursen von etwa 40 Prozent (s. Tabelle). Jetzt in Panik zu verkaufen, hält er allerdings nicht für angebracht. Auch die Rentenexperten Schlotthauer und Toldo raten Privatanlegern, argentinische Eurobonds zu halten.

Verkäufe wären jetzt teuer

Ohnehin wäre ein Verkauf gar nicht so einfach, denn die Umsätze bei vielen Argentinien-Anleihen sind Händlern zufolge derzeit gering. Bei wenig liquiden Bonds liegen zudem die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen bei bis zu 0,10 Prozentpunkten. Dementsprechend teuer sei der Verkauf.

Von einem Einstieg raten Experten unisono ab. "Die Regierung hat noch kein schlüssiges wirtschaftspolitisches Programm vorgelegt", sagt Schlotthauer. "Die Risiken sind noch zu groß", warnt Toldo. Und Tüngler spricht gar von "Zockerei": Schließlich seien die neuen Anleihebedingungen noch gar nicht klar, sagt der Rechtsanwalt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%