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Nach zwei Monaten Hoffen und Bangen: Aufatmen bei Karstadt-Quelle

Nach zwei stürmischen Monaten zwischen Hoffen und Bangen steuert der Handelsriese Karstadt-Quelle nun wieder in ruhigeres Fahrwasser. "Wir sind jetzt in Sicherheit", jubelte Unternehmenssprecher Jörg Howe am Freitag.

dpa-afx ESSEN. Nach zwei stürmischen Monaten zwischen Hoffen und Bangen steuert der Handelsriese Karstadt-Quelle nun wieder in ruhigeres Fahrwasser. "Wir sind jetzt in Sicherheit", jubelte Unternehmenssprecher Jörg Howe am Freitag. "Nun können wir uns wieder auf unsere Arbeit konzentrieren", kündigte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Pokriefke an. Das überlebenswichtige Weihnachtsgeschäft steht nun unmittelbar vor der Tür. Es soll die Kassen des von Umsatzeinbrüchen gebeutelten Unternehmens endlich wieder kräftig klingeln lassen.

Noch am Vorabend hatte das Schicksal von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern auf des Messers Schneide gestanden: Mit ihren bei der Hauptversammlung am Montag eingelegten Widersprüchen hatten einige Kleinaktionäre völlig überraschend eine bereits als sicher geglaubte Kapitalerhöhung um mehr als 500 Mill. Euro blockiert.

Zusammen mit der Kapitalspritze war damit das gesamte Sanierungskonzept des Konzerns erneut ins Wanken geraten. Karstadt-Quelle-Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte daraufhin vor einer drohenden Insolvenz gewarnt.

Druckfehler

In den sich über Tage hinziehenden Verhandlungen konnte am Donnerstagabend schließlich der Durchbruch erzielt werden. Ein Druckfehler hatte noch bis in die Nachtstunden zu Verzögerungen bei der Zuordnung einer Aktie geführt, so dass die längst erwartete Entwarnung immer wieder herausgezögert werden musste, hieß es am Freitag.

Unter anderem mit einer Zusage über mehr Informationen für die Aktionäre konnten nach Unternehmensangaben mit einer Einigung mit den sich widersetzenden Aktionären die letzte Hürde für den Sanierungsplan aus dem Weg geräumt werden. Finanzielle Vorteile für die Aktionäre habe es jedoch nicht gegeben, betonte das Unternehmen.

"Karstadt-Quelle steht noch vor sehr schwierigen Zeiten", dämpfte der Sprecher der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, die Euphorie. Nach dem grünen Licht für das Sanierungskonzept müssten die Pläne nun in die Tat umgesetzt werden. "Da hat Herr Achenbach noch sehr viel zu tun", sagte Kurz.

Erster Paukenschlag Ende September

Mit bei einer Pressekonferenz vorgelegten "Liste der Grausamkeiten" hatte der erst seit dem Sommer dieses Jahres amtierende Karstadt-Quelle-Konzernchef Christoph Achenbach Ende September für einen ersten Paukenschlag gesorgt. Das Ausmaß der Krise bei dem Essener Traditionskonzern verlange ein Sanierungsprogramm von einer in der Unternehmensgeschichte noch nie dagewesenen Härte, forderte Achenbach.

Als dritter Konzernchef innerhalb von nur vier Jahren versucht der als harter Sanierer angetretene Achenbach damit, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Verfehlte Prognosen und fallende Börsenkurse hatten den Vorstandssessel bei Karstadt-Quelle bereits in der Vergangenheit eher zu einem Schleudersitz werden lassen.

Neben einer strategischen Neuausrichtung, die unter anderem die Trennung von den zu dem Konzern gehörenden Fachgeschäften und nahezu jedem zweiten Warenhaus vorsieht, forderte der Chef des ums Überleben kämpfenden Konzerns die Beschäftigten zu einem überaus schmerzhaften Solidarpakt auf.

Verhandlungsmarathon

Es folgte ein Verhandlungsmarathon, der Mitte Oktober schließlich nach einer über 29-stündigen Dauergesprächen zu einer Einigung mit der Gewerkschaft Ver.di und der Belegschaft führte. Mit einem Sanierungsbeitrag von 760 Mill. Euro und dem Abbau von 5 700 der 100 000 Arbeitsplätze der Konzerns erklärten sich die Beschäftigten zu tiefen Einschnitten bereit.

Doch Anteilseigner und Belegschaften kamen auch in den folgenden Wochen nicht zu Ruhe: Eine zunächst nur bis zum Jahresende befristete Kreditzusage der Banken sorgte ebenso für Unruhe, wie Gerüchte über den Einstieg von Börsenspekulanten. In langwierigen Verhandlungen konnte schließlich eine Verlängerung der Banken-Kredite von 1,75 Mrd. Euro ebenso erreicht werden, wie ein Mitziehen der Großaktionäre bei der nun als sicher geltenden Kapitalerhöhung.

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