Nachbarstaaten und befreundete Länder waren informiert
Pakistan testet Mittelstreckenrakete

Vor dem Hintergrund der angespannten Beziehungen mit dem Nachbarstaat Indien hat Pakistan am Freitag nach Angaben der Armee erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet.

Reuters ISLAMABAD. Nachbarstaaten und befreundete Länder seien zuvor über den Raketentest unterrichtet worden, teilte das pakistanische Presseamt mit. Das Außenministerium in Islamabad erklärte, es habe sich um einen rein technischen Test gehandelt, der nichts mit der gespannten Situation in der Region zu tun habe. Wenige Stunden nach dem Test erprobte Indien eine Boden-Luft-Rakete. Indien erklärte, Pakistan habe seine Rakete mit Blick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen im Land getestet. Ein Sprecher des indischen Verteidigungsministerium sagte, der eigene Test stünde in keinem Zusammenhang mit dem des Nachbarlandes.

1998 hatten die beiden Staaten kurz hintereinander Atomwaffen getestet. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 drei Mal gegeneinander Krieg geführt, zwei Mal um die Himalaya-Region Kaschmir.

Dem Militärfachmagazin "Jane's Defence Weekly" zufolge hat die in Pakistan entwickelte Rakete vom Typ Hatf-IV eine Reichweite von 700 Kilometer und kann mit einem eine Tonne schweren Sprengkopf bestückt werden.Pakistan hatte zuletzt im Mai und Indien im Juni Raketen getestet.

"Dies ist ein rein technischer Test und solche technischen Tests werden von Zeit zu Zeit ausgeführt", sagte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Politische Experten betrachteten den Test hingegen als Warnung Pakistans an Indien zu einer Zeit, in der die Spannungen wieder zunähmen. Pakistan wolle damit demonstrieren, dass es in der Lage sei, sich zu verteidigen.

Der Sprecher des indischen Verteidigungsministeriums sagte Reuters, der Test der eigenen Rakete vom Typ Akash sei Routine und werde praktisch jede Woche ausgeführt. Die Akash-Rakete habe eine Reichweite von 25 Kilometer und eine Nutzlast von 55 Kilogramm.

Zum pakistanischen Raketentest erklärte das indische Außenministerium:"Dieser spezielle Test zielt deutlich auf die bevorstehenden Parlamentswahlen in Pakistan." In Pakistan sind für den 10. Oktober Parlamentswahlen geplant. Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf steht dabei nicht zur Wahl. Seinem Vorschlag entsprechend war seine Präsidentschaft in einer Volksabstimmung im April um fünf Jahre verlängert worden. Musharraf hatte 1999 durch einen Militärputsch die Macht übernommen und sich im vergangenen Jahr zum Präsidenten erklärt.

Nach pakistanischen Angaben können die ballistischen Raketen des Landes mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Die Regierung hat nicht ausgeschlossen, auf einen indischen Angriff mit Atomwaffen zu reagieren. Die Aufrüstung beider Staaten und deren angespannte Beziehungen hatten immer wieder internationale Besorgnis über den Ausbruch eines Krieges ausgelöst.

Nach einem Anschlag auf das indische Parlament im Dezember hatten sich die Spannungen zwischen beiden Staaten verschärft. Indien machte von Pakistan unterstützte moslemische Extremisten für den Anschlag in Neu-Delhi verantwortlich. Beide Staaten zogen an ihrer Grenze rund eine Million Soldaten zusammen, in der Folgezeit kam es jedoch zu einer Entspannung der Situation.

In dem vergangenen Wochen hatte die indische Regierung den Ton gegenüber Pakistan wieder verschärft. Es warf dem Nachbarn vor, die Wahlen im indischen Teil Kaschmirs behindern zu wollen, indem dieser moslemische Extremisten über die Grenze schicke. Pakistan bestreitet dies.

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