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Nachbau einer Römergaleere als DonauattraktionDPA-Datum: 2004-07-08 11:05:57

Regensburg (dpa) - Es wird doziert und aus dicken Büchern vorgetragen, die Materie ist theoretisch und trocken. So stellen sich viele Menschen Geschichtsunterricht vor. In Regensburg wollen zwei Wissenschaftler beweisen, dass es auch anders geht. Gemeinsam mit ihren Studenten haben sie ein Schiff der Römer nachgebaut.

Regensburg (dpa) - Es wird doziert und aus dicken Büchern vorgetragen, die Materie ist theoretisch und trocken. So stellen sich viele Menschen Geschichtsunterricht vor. In Regensburg wollen zwei Wissenschaftler beweisen, dass es auch anders geht. Gemeinsam mit ihren Studenten haben sie ein Schiff der Römer nachgebaut.

In Zukunft soll das Boot in Deutschland und Österreich nicht nur zu einer neuen Touristenattraktion werden, sondern die Menschen auch über die einstige Weltmacht aufklären. «Wir wollen 'raus aus dem Elfenbeinturm und beweisen, dass Alte Geschichte nicht verstaubt ist», erklären die Initiatoren Heinrich Konen und Christoph Schäfer.

Ein Jahr lang hat ihr Team in der riesigen Halle einer stillgelegten Regensburger Werft das Schiff «Regina» gezimmert. Aus 28 Kubikmetern Holz entstand eine originalgetreue Galeere des Typs Lusoria - 21,7 Meter lang, 2,70 Meter breit und 6,8 Tonnen schwer. Mittlerweile hat die «Regina» ihre Bewährungsprobe im Wasser bestanden. In den nächsten Wochen wird das Boot getestet, ehe am 1. August die feierliche Taufe stattfinden soll.

Rund 70 Männer und Frauen haben an der «Regina» mitgearbeitet. Darunter waren nicht nur Studenten der Regensburger Universität. Teilweise kamen auch andere Interessierte in der «Römerwerft» vorbei und legten aus lauter Begeisterung für die Idee mit Hand an.

Als Vorbild für die Regensburger Galeere dienten Lusoria-Wracks, die bei Mainz entdeckt wurden. Anhand der archäologischen Funde konnten originalgetreue Baupläne gezeichnet werden. Sogar die 4000 verwendeten Nägel wurden speziell nach historischem Vorbild für die «Regina» geschmiedet. Im 3. und 4. Jahrhundert waren diese Boote wohl zu hunderten auf der Donau unterwegs. «Das ist unter den römischen Kriegsschiffen eine kleine Nummer gewesen, aber eine sehr effiziente», erklärt Konen.

In Zukunft soll das Schiff etwa bei Feiern entlang des Flusses präsentiert sowie zur Weiterbildung von Studenten, Schülern und Erwachsenen eingesetzt werden. Die Initiatoren wollen aber auch in praktischen Versuchen ergründen, wie schnell solche Galeeren waren, wie sie sich gegen den Strom steuern ließen und wie sie militärisch eingesetzt wurden. «Das muss man im Experiment erschließen», sagt Schäfer. So könne dann in der Praxis die wissenschaftliche Theorie überprüft werden.

Obwohl alle Helfer ehrenamtlich an dem Bau des aus Eiche gefertigten Schiffes mitgearbeitet haben, mussten die beiden Forscher rund 100 000 Euro für das Projekt auftreiben. Dabei gingen sie ungewöhnliche Wege im Bereich der Uniforschung. «Über die normale Förderung geht nichts, das wäre sofort abgelehnt worden», meint Schäfer. Letztlich haben Sponsoren etwa 80 Prozent der Baukosten bezahlt. Als Dank für das Engagement des Hauptgeldgebers wird die «Regina» daher mit dem Logo einer Brauerei aus dem niederbayerischen Landkreis Kelheim auf dem Segel die Donau hinabfahren.

Damit das neue Schmuckstück möglichst authentisch auf dem Strom präsentiert werden kann, haben sich die Studenten inzwischen auch römische Uniformen genäht. Für eine originalgetreue Besatzung werden 30 Ruderer, etwa fünf Bogenschützen und einige weitere Bootsleute benötigt.

Für den langfristigen Unterhalt des Schiffes haben die beiden 42-jährigen Initiatoren den Verein der Freunde der Alten Geschichte (VeFAG) gegründet. Künftig soll es spezielle Programme rund um die einmalige Galeere geben. «Das werden dann Geschichtsstunden auf dem Boot», erklärt Konen. Die Teilnehmer sollen sich in das Schiff setzen und zu den Rudern greifen können. «Wir wollen, dass es die Leute erleben können», ergänzt Schäfer. Die beiden Forscher glauben, dass die «Regina» so die nächsten Jahrzehnte eine Regensburger Attraktion bleiben wird. Die bei Mainz versunkenen Vorbilder seien immerhin 80 Jahre alt geworden.

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