Nachbörslich notiert an der Wall Street
Der Hexensabbat: Chance oder Schicksal?

Der große Verfallstag am Freitag wird auch die Aktien in Amerika im Griff haben. Immerhin: Dank der starken Gewinne, die die US-Börsen am Montag eingefahren haben, fällt die Bilanz für die großen Indizes einen Tag vor dem Wochenende gar nicht so schlecht aus.

wsc - NEW YORK. Der marktbreit gefasste S&P 500 notiert unverändert, der Dow hängt mit einem halben Prozent im Minus - allein die High-Techs notieren jenseits von Gut und Böse: Die Nasdaq hat erneut 3 % verloren und mittlerweile schon 25 % seit Jahresbeginn.

Wo soll das hinführen, dürfen sich Anleger fragen, zumal am Freitag "dreifacher Hexensabbat" ist und die Märkte traditionell hohem Handelsvolumen und großer Volatilität ausgesetzt sind. Hohe Volatilität, das kann starke Gewinne oder hohe Verluste bedeuten. Am Donnerstag sah es nicht so aus, als würde sich irgendein Wert nach oben orientieren, nach unten scheint das Potential für manche Sektoren hingegen geradezu unbegrenzt.

Die schwachen Konjunkturdaten der jüngsten Zeit und vor allem das unerwartet hohe Handelsbilanzdefizit nehmen Anlegern den Mut. Mit einem Betrag von 35,9 Mrd. $ sind Analysten alarmiert, vor allem was die aktuelle und weitere Schwäche des Dollar betrifft. Bei Morgan Stanley sieht man das Defizit bereits durch die Schallmauer von 4 % des Bruttoinlandsproduktes brechen und "apokalyptische 5 %" stürmen.

Die schwachen Randdaten schaden der Wirtschaft im Allgemeinen. Von einem schwachen Dollar können exportstarke Firmen wie einige Chip-Konzerne oder die Hersteller von Konsumgütern zwar profitieren, doch ist das kurzfristig gedacht. Langfristig sind auch diese Firmen vom internationalen Vertrauen in die US-Märkte abhängig und das schwindet. Wenn sich internationale Anleger weiter aus dem Markt zurückziehen, werden die Kurse weiter fallen.

Vor allem High-Tech-Werte betrifft das. Zahlreiche notieren bereits auf 52-Wochen-Tiefständen, manche sogar auf historischen. Unter den Big Caps hat Oracle seit Jahresbeginn 50 % an Börsenwert verloren, Cisco steht ein Minus von 33 % zu Buche. Im Dow gehören Intel mit einem Minus von 45 %, IBM mit einem Minus von 40 %, und Microsoft mit einem Minus von 25 % zu den schwächsten Performern. Und doch beweisen genügend andere Werte, dass nicht nur die High-Tech-Branchen ins Nirvana driften, darunter die Verlierer Citigroup, General Electric, Home Depot, Merck, SBC Communications und AT&T.

Natürlich sind es nach wie vor die High-Tech-Werte, die weiter abstürzen dürften. Selbst positive Zahlen vom Software-Hersteller Oracle hatten die Branche in dieser Woche bekanntlich nicht stützen können. Zu viele Unternehmen aus den Schlüsselbereichen der Computersektoren hatten gewarnt, ein Aufschwung sei nicht auszumachen. Doch haben Anleger längst erkannt, dass die einst sicheren Häfen längst Piratennester geworden sind. Manche Rettungsinsel ist untergegangen, darunter nicht zuletzt General Motors und sogar der defensive Pharma- und Konsumriese Johnson & Johnson.

Bei allen schlechten Nachrichten, Kommentaren und Frühindikatoren gibt es für die US-Börsen am Freitag nur eine Chance: Dass Schnäppchenjäger ihr Geschäft machen. Sie müssen zum Wochenschluss Geld umschichten und könnten auf schnelle Gewinne einer Ein- oder Zweitagesrallye hoffen. Doch auch daran würde die Wall Street nicht nachhaltig gesunden.

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