Nachbörslich notiert
Wall Street: Schnäppchenjäger unterwegs

Die Börse ist ein kleines Kind. Seit einer Woche verschlafen Dow und Nasdaq den Tag, dümpeln lustlos und schlapp im Minus, und in den letzten Handelsminuten kommt das große Strampeln. Das US-Team um Markus Koch recherchierte nachbörslich und gibt einen Ausblick auf den Mittwoch.

Dort können sich die Aktien nicht lange halten. Unreif sind sie, das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Deshalb ist es auch ganz egal, dass die Rallye zum verspäteten Wochenauftakt am Dienstag zu spät kam, und die Indizes mit Verlusten aus dem Handel gingen.

Auch am Mittwoch dürfte es - mit Rallye oder ohne - erneut abwärts gehen für Dow und Nasdaq. Schon am Dienstag deutet nachbörslich alles darauf hin. Nachdem vorsichtige Kommentare von Merrill Lynch und UBS Warburg die Aktie des Chip-Riesen Intel schon während der Handelsstunden unter Druck gebracht hatten, kamen am Abend auch nur unsichere Aussagen von Novellus. Zwar setzt der Zulieferer die Gewinnerwartungen im laufenden Quartal herauf und will auch den entsprechenden Umsatz ausweisen - doch äußert man sich explizit nicht zum dritten Quartal.

Damit bestätigt auch Novellus der Analysten ärgste Sorge: Selbst wenn ein kurzfristiger Nachfrageschub kommt, dürfte der nicht von Dauer sein. "Visibility" ist das Zauberwort an der Wall Street - "Klarheit". Genau die hat nämlich niemand, man muss sich mit Schätzungen zufrieden geben, mit Meinungen. Die meisten sind indes wenig optimistisch. "Die IT-Ausgaben werden auch auf lange Sicht nicht steigen, die Unternehmen haben es in den letzten Jahren übertrieben", meint High-Tech-Kenner Marshall Loeb und beruft sich auf eine Zahl, die kaum Fragen offen lässt. Die Unternehmen laufen auf einer Kapazitätsauslastung von 76 % - Investitionsbedarf ist nicht vorhanden.

Anleger haben das längst erkannt, und doch reagieren sie jedes Mal aufs Neue drastisch, wenn ein CEO die Befürchtungen bestätigt. Novellus-Chef Richard Hill war noch nicht vom Podium gestiegen, da hatten Chip- und Zuliefereraktien bis zu 2 % abgegeben, auf die Schlusskurse wohlgemerkt. Die späten Einbrüche dürften am Mittwochmorgen nun erneut Schnäppchenjäger auf den Plan rufen. Kurskorrekturen sind im frühen Handel nicht auszuschließen, doch dürften sie nicht von Dauer sein. Sie sind ein weiteres Indiz für die mangelnde Reife des Marktes, der am Mittag wieder einbrechen dürfte, und der kurz vor Schluss wieder versuchen wird sich frei zu strampeln.

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