Nachbörslich notiert
Wall Street: Wenig Optimismus vor Thanksgiving

Dass die Wall Street am Dienstag einbrach, hatte mehrere Gründe. Zum einen waren die Daten aus dem konjunkturellen Umfeld alles andere als gut. Das Verbrauchervertrauen ist zwar gestiegen, allerdings nur von einem Neun-Jahres-Tief von 79,6 Indexpunkten auf einen leidlich besseren Stand von 84,1 oder - in Worten - von "superschlecht" auf "sehr schlecht". Nicht einmal die bescheidenen Erwartungen der Analysten von 85 Punkten sind getroffen worden.

Auch der Blick auf das Bruttoinlandsprodukt, der am frühen Morgen noch manchen gefreut hatte, stellte sich als Blindgänger heraus. Es ist natürlich schön, dass das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal auf 4 % nach oben revidiert werden konnte - aber das dritte Quartal ist seit fast acht Wochen Vergangenheit. Die USA steckt mitten im vierten Quartal, und da sieht es nicht so toll aus, man rechnet mit einem Wachstum um nur noch 1,4 % und revidiert auch die Prognosen für das erste Quartal 2003 nach unten.

Ein schwacher Ausblick vom Einzelhandel, der in der letzten Woche vor dem offiziellen Start ins Weihnachtsgeschäft noch keine Verbesserung spürt, sondern sogar über schwindende Umsätze klagt, macht dem Anleger auch nicht gerade Lust auf Aktien.

Im Weißen Haus gab es am Dienstag unterdessen eine verfrühte Bescherung für die Versicherungskonzerne. Die müssen künftig nach Terror-Attacken nicht mehr zahlen - das übernimmt von nun an zu einem großen Teil die Regierung. Wie sinnvoll das aus konjunktureller Sicht ist, ist sehr umstritten, und selbst die Versicherungen konnten sich am Dienstag nicht verbessern.

Eigentlich gab es am Dienstag nur eine einzige gute Nachricht, und die kam für den Truthahn Katie. Der wurde von Präsident George W. Bush begnadigt und kommt nun nicht auf den Thanksgiving-Tisch, sondern in eine Streichelzoo in Virginia. 45 Millionen Kollegen müssen unterdessen sterben, der durchschnittliche Amerikaner vertilgt am bevorstehenden Festwochenende jeweils zwei Pfund Pute. Dem Markt ist das egal.

Und auch von den übrigen Meldungen am späten Dienstag wird die Börse zur Wochenmitte nicht profitieren. Der Hardware-Riese Sun Microsystems bestätigte zwar die Prognosen für das laufende Quartal, macht im späten Handel aber auch nur die Tagesverluste wett. Bei Comverse Technologies verweist man unterdessen auf ein anhaltend schwieriges IT-Umfeld, und bei EDS muss man eine Abstufung von Standard & Poor?s einstecken, die die Aktie noch am Abend 5 % kostet.

Am Mittwoch dürfte trotz einer wahren Datenflut aus dem konjunkturellen Umfeld nicht viel passieren - zumindest nicht nach oben. Den ins lange Wochenende (am Donnerstag ist Thanksgiving, am Freitag wird nur bis 13 Uhr gehandelt) wollen Anleger keine hohen Positionen mitnehmen. Vielmehr sind Gewinnmitnahmen angesagt.

Dennoch wird man auf weitere Zahlen zum Verbrauchervertrauen achten, die von der Universität Michigan als Referenzwert zu den Dienstagszahlen vorgelegt werden. Dazu gibt es Daten zu den Bestellungen langlebiger Güter, zu Durchschnittseinkommen und-ausgaben der Amerikaner und zum Einkaufsmanagerindex. Die Fed tritt zudem mit ihrem Beige Book ins Rampenlicht, bevor man sich zum Stopfen in die Küche begeben wird.

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